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Im Fokus
Wenn Kinder von der Schule suspendiert werden, landen sie auf dem Abstellgleis
Manchmal haben Lehrerinnen und Lehrer keine Wahl: Sie müssen verhaltensauffällige, aggressive Schüler aus ihrer Klasse verbannen. Aber nicht über 2000-mal pro Jahr, in ganz Österreich
Kolumne
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Petra Stuiber
Spaß oder Gewalt? Nicht immer sind Situationen auf dem Schulhof oder in der Klasse eindeutig. Suspendierungen vom Unterricht sind das letzte Mittel. Sollten sie sein.
Zu Beginn dieser Woche landete das Ö1-Morgenjournal einen Scoop, wie wir Journalistinnen und Journalisten sagen, wenn ein Kollege oder eine Kollegin eine Geschichte an Land zieht, die wir anderen nicht haben. Es ist nur fair, in einem solchen Fall der Konkurrenz zu gratulieren, wir freuen uns ja auch, wenn jemand aus der Branche unsere Leistungen anerkennt.
In dem Fall hatte das Morgenjournal die berichtenswerte Neuigkeit erfahren, dass die Zahl der Schulsuspendierungen heuer einen Höchststand erreichen könnte. Schon wieder. Schon im Vorjahr wurden österreichweit 2187 Schülerinnen und Schüler für einige Tage vom Unterricht ausgeschlossen . Der überwiegende Anteil der Suspendierten besuchte eine Mittelschule. Aber auch die Zahl der suspendierten Volksschüler hat im vorigen Schuljahr das beträchtliche Ausmaß von 413 erreicht.
Korrekt wurde berichtet, dass diese Sanktion dann verhängt werden darf, wenn "Gefahr im Verzug" herrsche, und der ÖVP-nahe Pflichtschullehrergewerkschafter Thomas Krebs berichtete mit Empörung in der Stimme, dass er nach einem langen Wochenende gleich von zwei Volksschülern gehört habe, die suspendiert werden mussten. Er bekrittelte auch, dass ein und dasselbe Kind oft mehrmals vom Unterricht ausgeschlossen werden müsse, weil sein "psychisches Rüstzeug so instabil ist, dass es gar nicht in der Lage ist, sich in dem pädagogischen Rahmen der Schule zurechtzufinden". Fazit des Gewerkschafters und des Radio-Beitrags: prekäre Situation, schlimmer denn je. Nicht ausgesprochenes Fazit: Die Kinder werden immer ärger, die Schulen sind weitgehend hilflos. Punkt.
Genauer hinschauen
Hier weicht die Gratulation der Irritation. Damit soll es getan sein? Der Empörung des Gewerkschafters wird Raum gegeben, doch das Mittel der Sanktionierung ("Suspendiert!") wird genauso wenig hinterfragt wie die möglichen Gründe, warum Kinder in Schulsituationen völlig entgrenzen? Die Problemlösung muss mit einem genauen Blick auf die Volksschule beginnen. Dort gibt es offenbar immer mehr Kinder, die das System Schule so stark überfordert, dass sie ausrasten.
Wenn ein Erstklässler mit der Bastelschere auf einen Mitschüler losgeht (was laut Krebs leider häufig passiert): Hat sich jemand die Mühe gemacht, festzustellen, wie die Situation in der Klasse war? Ist das Kind wirklich der Aggressor oder war da etwas davor? Ist das Kind womöglich gehänselt oder gar gemobbt worden? Es ist eine Mammutaufgabe für Lehrende, aus hibbeligen Sechsjährigen aufmerksame Schülerinnen und Schüler zu formen, die ruhig sitzen, zuhören, Klassenregeln befolgen. Geschweige denn, dass Taferlklassler selten in der Lage sind, auf psychische Ausnahmesituationen angemessen moderat zu reagieren.
Eine Frage der Ausbildung...
Es ist ein sehr herausfordernder Job, den Volksschul-Lehrerinnen und -Lehrer Tag für Tag ausüben. Sie kämpfen oft mit sehr vollen Klassen, Kindern, die nicht gut genug Deutsch sprechen und einem Mangel an Ressourcen. Abgesehen davon, dass dies zu wenig Zeit lässt, sich auf einzelne Schülerinnen und Schüler zu konzentrieren: Sind Österreichs Lehrende überhaupt ausgebildet und qualifiziert genug, um festzustellen, was in der Psyche eines verhaltensauffälligen Kindes vorgeht? Ein Beispiel: Die Zahl der Kinder, die neurodiverse Herausforderungen haben (ADS, ADHS, Auffälligkeiten im autistischen Spektrum), steigt ebenfalls stetig. Oft zeigen sich diese Verhaltensauffälligkeiten erst im stressigen Schulumfeld.
... und der Hilfe von Experten
Man nehme ADHS: Kinder mit dieser Neurodiversität sind nicht in der Lage, Lärm und Gewusel um sie herum zu hierarchisieren, Wichtiges ein- und Unwichtiges auszublenden. Steigt der Lärmpegel, steigt der Stress dieser Kinder; jede Veränderung, und sei es nur der Gang in den Turnsaal, ist oft eine unbezwingbare Hürde. Wie reagieren sie darauf? Manche weinen, manche ziehen sich zurück und verweigern alles – und manche schlagen um sich und lassen sich nicht mehr beruhigen.
In dieser Situation benötigt dieses Kind Lehrpersonal, das seine Not sieht und versteht – und richtig reagiert. Das bedeutet, Lehrende müssen auch so ausgebildet sein, dass sie solche Situationen lesen und richtig beurteilen können. Oder, besser noch: Sie brauchen permanente fachliche Unterstützung von psychologisch geschulten Expertinnen und Experten, in der Klasse, in der Schule – gerade in der Volksschule. Hier muss vonseiten der Schule richtig reagiert, den Eltern rückgemeldet und darauf geschaut werden, dass diese d…
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