Es ist ein bedrückendes Zeugnis, das die Bürgermeister von Köln und Düsseldorf in ihrem gemeinsamen Vorstoß ablegen, den Mikrohandel mit Kleinstmengen harter Drogen in städtischen Konsumräumen zu erlauben. Bedrückend, weil der Vorschlag einerseits eine Kapitulationserklärung ist.
Die Botschaft lautet: Wir bekommen das Crack-Problem nicht in den Griff. Nicht den Schmuggel mit dem Basisstoff Kokain, nicht die heimliche Produktion, nicht den Handel, nicht den Konsum mit seinen verheerenden Auswirkungen auf die schwerst abhängigen Menschen – und auf die Stadtteile, in denen sie dies tun.
Die Schilderungen der beiden Bürgermeister, was Crack mit Konsumenten und betroffenen Anwohnern und Geschäftsinhabern macht, zeigen eindringlich, dass die herkömmliche Drogenpolitik der Städte mit diesem Rauschgift an ihr Ende gekommen ist.
Panikattacken treiben Crackkonsumenten auf die Straße
Das liegt zuallererst an den biochemischen Auswirkungen des Cracks auf das Gehirn: Der Konsum verursacht nach einem kurzen Glücksgefühl extreme Panikattacken. Enge Räume, überhaupt Decken und Wände um sie herum, sind Konsumenten dann unerträglich, sie müssen nach draußen.
Schon darum ist fraglich, ob der Versuch erfolgreich sein könnte, die Süchtigen – wie früher in Projekten für Heroinabhängige – von der Straße hinein in die Konsumräume zu locken, indem man ihnen den Mikrohandel untereinander erlaubt.
Eine Kapitulation ist es auch, weil man ein Problem nicht dadurch aus der Welt schafft, dass man es nicht mehr bekämpft. Die Teillegalisierung des Cannabiskonsums hat hier eine fatale Bresche geschlagen. Auch rechtlich würfe eine Erlaubnis, dass Süchtige untereinander handeln dürfen, schwierige Fragen auf, sie wären dann legale Dealer mit einer illegalen Droge.
Andererseits verlangen veränderte Umstände irgendwann auch eine veränderte Herangehensweise. Das gesteht sogar der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul ein, der nicht im Verdacht irgendeiner Schwäche in der Strafverfolgung steht. Auch er hat „keine bessere Antwort“.
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