Keine Zeit für Sport, es ist WM! Fast jeden Abend rollt der Ball. Da tauscht man das eigene Sportprogramm doch gern gegen das auf dem Bildschirm. Gewissensbisse muss man deswegen nicht haben, wie eine Studie, die kürzlich im Journal „Plos One“ erschienen ist, vermuten lässt: Demnach reichen vier Minuten Training aus. Wie passend, dass nun in jeder Halbzeit dreiminütige Trinkpausen stattfinden. Wer in dieser Zeit jeweils 30 Sekunden an einem Gummiband zieht, Liegestütze am Tisch macht, auf einen Stepper steigt und vom Stuhl – oder der Bierbank – aufsteht, hat es schon geschafft. Die eine Minute, in der das Spiel wieder angepfiffen wurde, muss man natürlich überziehen. Dass die Studie an über 65-Jährigen mit sitzendem Lebensstil und Problemen beim Gehen durchgeführt wurde, geschenkt. Ist das Leistungsniveau erst mal weit genug abgerutscht, wird der Körper eben selbst auf Minimalsport mit Freudensprüngen in der Leistungsfähigkeit reagieren.
Aber kann der Ansatz wirklich sein, die Zielgruppe mit immer kürzeren Trainings zum Sport zu motivieren? Das wirkt wie ein Eingeständnis: „Wir wissen, es ist dröge, aber bitte gönn dir und uns wenigstens vier Minuten.“ Laut Studie muss man es lediglich schaffen, zwölf Wochen dranzubleiben. An Sportveranstaltungen, die von der Monotonie des Trainings ablenken, mangelt es diesen Sommer auch nach der WM nicht: Tour de France, die deutschen Finals, Darts-WM sowie Leichtathletik- und Turn-EM. Eisern, wer das durchhält! Belohnt wird man für diesen Marathon mit einem um 2,3 Sekunden schnelleren Five-Times-Sit-to-Stand-Test. Sprich: Man kommt schneller aus dem Sessel wieder hoch. Für die untersuchten Senioren ist das ein Zeichen, dass sie womöglich nicht ganz so schnell in ein Altersheim umziehen müssen.
„Training ist der Schlüssel zur Freiheit“, sagt Wissenschaftler Christopher Sciamanna. Nicht auszudenken, wie frei die Leute wären, würden die Forscher wirklich spannendes Krafttraining untersuchen. Vielleicht lässt sich der eine oder andere eher vom Bildschirm-Sport motivieren, selbst mal wieder zu trainieren. Möglichst bevor man Probleme bekommt, aus dem Sessel wieder aufzustehen.
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