Qualität setzt sich nicht immer sofort durch. Ansonsten hätte die SPÖ ihren langjährigen Haus-und-Hof-Ökonomen Markus Marterbauer in die erste Reihe geholt, bevor er 60 Jahre alt wurde. Man muss kein Verfechter von Reichensteuern oder dem Marxismus sein, um anzuerkennen: Der Finanzminister gehört zu den Lichtblicken dieser Bundesregierung. Seine zweite Budgetrede mag zwar etwas zu lang gewesen sein. Hämische Zwischenrufe und Gelächter von FPÖ-Abgeordneten sorgten aber ohnedies für Auflockerung.
Für alle, die nicht aufpassen konnten: Marterbauer legte erneut verständlich und durchaus ehrlich dar, warum jetzt alle den Gürtel enger schnallen müssen – ob Pensionist, Geringverdiener oder Bank. Rhetorisch war das überzeugend, inhaltlich weniger. Denn gleichzeitig gibt der Minister offen zu: Das Doppelbudget habe keinen „Polster“ und die Regierung werde etwas Glück brauchen. Übersetzt: Verschärft sich beispielsweise die Krise im Nahen Osten oder der Ukraine-Krieg, muss man neue Sparmaßnahmen finden – und zwar schnell.
Ansonsten hält das Budget nicht und Österreich macht höhere Schulden. Warum ist das problematisch? Weil dann noch höhere Mittel in Zinsausgaben fließen. Diese werden, so Marterbauer, bereits 2029 beinahe die gesamte Neuverschuldung ausmachen. Milliarden, die man sonst für den Ausbau der Kinderbetreuung oder die Pflege ausgeben könnte, fließen dann in Schuldenabbau.
Noch irritierender: Die Budgetexperten aller großen Institute – WIFO, IHS, Fiskalrat – zweifeln daran, dass die aktuellen Konsolidierungsmaßnahmen von 2,5 Milliarden Euro reichen. Und sie kritisieren, dass strukturelle Reformen – bei der Gesundheit, den Pensionen oder den Bundesländern – weiterhin nicht in Sicht sind. Es bleibt spannend, was die Reformpartnerschaft von Bund, Ländern und Gemeinden hier noch zustande bringt.
Marterbauer hat indes bereits vorgesorgt – nicht finanziell, sondern argumentativ. Er hat in seiner Rede quasi klargestellt, wer die Schuldigen sind, sollte sein Budgetplan nicht aufgehen. Die Regierung sei erstens von der weltpolitischen Lage abhängig, zweitens habe ihr die Vorgängerregierung aus ÖVP und Grünen diese Situation eingebrockt. „Danke für nichts!“, meinte Marterbauer schroff.
Diese Argumentation mag bei seinem ersten Budget berechtigt gewesen sein. Mittlerweile grenzt sie an Kindesweglegung. Reformvorschläge liegen zuhauf auf dem Tisch. Für das, was in den nächsten beiden Jahren geschieht, ist diese Regierung selbst verantwortlich. Dabei hofft sie auf Glück, pokert also. Verantwortungsvoll ist das nicht, doch mit Blick auf die miserablen Umfragedaten kann Türkis-Rot-Pink ja eigentlich nur noch gewinnen.
kurier.at, hamm
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10.06.2026, 18:02
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2 reports
KurierIndependentCenter11 days ago Good luck with the budget, the government can only winThe article discusses Austria's government budget presented by Finance Minister Markus Marterbauer. It acknowledges his efforts in delivering a clear explanation for necessary austerity measures affecting pensioners, low-income earners, and banks. The article notes that the budget lacks a financial buffer and highlights risks such as potential crises in the Middle East or the ongoing conflict in Ukraine, which could force additional spending cuts. It also warns of rising debt and increased interest payments, which would divert funds from areas like childcare and elder care.
Bias read (Center): The article provides a balanced overview of the budget situation without overtly favoring any political side. It critiques the lack of a financial buffer but does not take a stance on the government's policies or criticize them explicitly. The tone remains analytical rather than biased toward either
Official sources cited
- government Markus Marterbauer's Budget Speech
FalterIndependentCenter13 days ago Budget: Vienna struggling with its debtThe article discusses Vienna's struggle with debt, focusing on the city's budget challenges.
Bias read (Center): The article presents a neutral overview of Vienna's financial situation without overtly favoring any political stance. It does not use loaded language or selectively present information to support a particular viewpoint.