Es gibt in Amerika ein schönes Wort,
um ein Ereignis zu beschreiben, um das zunächst viel Aufhebens gemacht wird,
das sich dann aber als nichtig und unbedeutend herausstellt. Das Wort ist
» nothingburger «. Ein Burger aus Nichts.
Donald Trump versorgt die Welt seit
dem 8. April – seit dem Waffenstillstand zwischen den USA, Israel und Iran –
mit einem nothingburger nach dem anderen. Die Nachricht ist immer dieselbe:
Ein »Deal« mit dem Iran steht unmittelbar bevor! Meist zeigt sich schon nach
wenigen Stunden, dass das nicht stimmt.
Seit Donnerstag und Freitag dieser
Woche befindet sich die Welt im jüngsten Nothingburger-Zyklus. Oder dieses Mal
vielleicht nicht? Gibt es nun wirklich eine Einigung?
Am Donnerstag drohte Trump zunächst
auf seiner Plattform Truth Social, die USA würden den Iran noch in der Nacht
»sehr hart treffen« und in der »nicht allzu weit entfernten Zukunft« die
iranische Öl- und Gas-Industrie unter Kontrolle nehmen – inklusive der Insel Charg im Persischen Golf. Wenig später schrieb er, er habe die »Schläge« wieder
»abgesagt«, denn »alle Seiten« hätten »finalen Punkten« eines möglichen
Abkommens zugestimmt. Wieder etwas später sagte er bei einer digitalen
Wahlkampfveranstaltung: »Ich weiß nicht, ob sie es schon gehört haben, aber wir
haben heute den Krieg mit dem Iran beendet.« Der Iran habe zugestimmt, auf
Atomwaffen zu verzichten. Am Donnerstagabend amerikanischer Zeit meldeten dann
verschiedene US-Medien unter Berufung auf »Quellen« oder »Diplomaten«, beide
Seiten hätten einem »Interimsabkommen« zugestimmt.
Der Journalist Barak Ravid,
der für das US-Nachrichtenportal Axios arbeitet und in den vergangenen Wochen
schon mehrfach vermeintlich kurz bevorstehende Abkommen verkündet hatte (die es
dann nicht gab), schrieb dieses Mal sogar, vier US-Transportflugzeuge seien auf
dem Weg nach Europa, um die Reise von Vizepräsident JD Vance zu einer
Unterzeichnungszeremonie in Genf vorzubereiten.
Jetzt sprang das Kopfkino an
Bei vielen Europäern sprang spätestens
jetzt das Kopfkino an. Auch bei den Diplomaten, die gerade dabei sind, den G7-Gipfel Anfang nächster Woche im französischen Evian
vorzubereiten, zu dem auch Donald Trump erwartet wird. Am Sonntag, so stellte man es sich vor, feiert Donald Trump
seinen 80. Geburtstag. Auf dem Rasen vor dem Weißen Haus findet aus diesem
Anlass ein UFC-Kampf statt. Während Trump also (gleich neben der gigantischen
Baugrube für seinen Ballroom) den Kampf im Kreise seiner Anhänger genießt,
unterzeichnet Vance in Genf ein Memorandum of Understanding , ein Vorabkommen
mit dem Iran. Dann fliegt Trump nach Evian und lässt sich von den anderen
G7-Ländern – darunter Deutschland und Kanada, mit denen es zuletzt knirschte –
als Friedensfürst feiern.
Doch bevor die Fantasie allzu weit gedeihen konnte, wiesen iranische Offizielle erst einmal die Berichte zurück, sobald sie am Freitag mit den Meldungen und
Posts vom amerikanischen Vorabend aufwachten. Der Sprecher des iranischen
Außenministeriums sagte, es handele sich lediglich »um Spekulationen«. Die den
Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Fars schrieb, die Berichte
seien »vollständig falsch«. Und am Freitagnachmittag europäischer Zeit
wechselte auch Trump selbst wieder den Ton: »Sehr unehrenhafte Leute« seien die
Iraner, schrieb er. Mit solchen Leuten könne man nicht verhandeln. Er schloss
noch eine halbe Drohung an: » They have to get their act together, and FAST! «
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