Tag der offenen Tür im Hamburger Bahnhof : Was für ein großer Spaß die Kunst doch ist
Es war ein stetes Aufbauen und Niederreißen. Beim Tag der offenen Tür präsentiert sich das Berliner Museum für die Kunst der Gegenwart als Spielplatz.
Der Hamburger Bahnhof, bestens bespielt bei den Tagen der offenen Tür
Annette Riedl/picture alliance/dpa
Wer Freude am Schlangestehen hat, kommt hier mal voll auf seine Kosten. Kaum ist der Hamburger Bahnhof geöffnet, reihen sich die Menschen schon überall auf: an der Garderobe, bei der Anmeldung zu Führungen und später auch an der Essensausgabe und vor den Toilette. Wie das halt so ist, wenn eine beliebte Kulturinstitution wie der Hamburger Bahnhof an einem Wochenende die Türen noch einmal etwas weiter aufreißt mit einem verheißungsvollen „Eintritt frei“.
Überall herrscht also Gedränge. Nur ganz hinten im Saal mit den Arbeiten von Joseph Beuys , der mit seinen riesigen Installationen mit den vielen vollgeschriebenen Schultafeln und den Basaltstelen doch die Trumpfkarte des Museums ist, ist es wunderbar leer.
Aber das ist nur ein Versehen. Denn natürlich machen sich etliche zielstrebig auf den Weg. Und stehen dann irritiert und unentschlossen vor der Tür. Weil so ein Museum jedoch Autorität ausstrahlt, traut sich niemand, das Absperrband vor dem Raum beiseitezuschaffen, das hier noch gut eine Viertelstunde nach Öffnung des Hauses den Weg zu Beuys verhindert. Das erledigt dann die herbeigerufene Aufsicht – und schnell ist es auch hier vorbei mit stiller und ungestörter Kontemplation mit der ewigen Frage: „Was hat sich der Künstler dabei wohl gedacht?“
Der Hamburger Bahnhof
stammt aus den 1840er Jahren und war wirklich mal ein Bahnhof, als Anfangspunkt der Berlin-Hamburger-Bahn. Heute ist er ein Museum für zeitgenössische Kunst und heißt deswegen auch im vollen Namen: Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart .
Was es mit der Kunst alles auf sich haben kann, ist aber den allermeisten in der großen Halle nebenan vollkommen egal. Sie geben sich ihr einfach hin. Und spielen. Denn das schlagendste Argument an diesem zwischen Sonne und Schauern schwankenden Sonntag neben dem „Mal gucken“ und „Eintritt frei“ ist allemal die raumgreifende Installation der litauischen Künstlerin Lina Lapelytė, „We Make Years Out of Hours“.
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Schon für sich mit den Abertausenden Holzklötzchen ist sie imposant anzusehen. Aber bis Sonntag hat es sich wohl bis zum letzten Kinderwagen durchgesprochen, dass man es hier mit dem schönsten Indoorspielplatz der Stadt zu tun hat. Weil das Publikum mit den Klötzchen tatsächlich spielen durfte.
Ein großes Gewusel
Hinter den geparkten Kinderwägen sorgt das für ein großes Gewusel. Überall setzen Kinder Klötzchen aufeinander. Wände werden hochgezogen, Türme aufgetürmt, und wenn der Vater die Bauleitung übernimmt, werden die nochmal ein Stückchen höher, bis das Aufsichtspersonal mit sanften Fingerzeigen dafür sorgt, dass hier nichts in den Himmel wächst.
Tränen gibt es natürlich auch. Wahrscheinlich weint der kleine Junge eher vor Schreck, weil ihn ein Klötzchen eines umfallenden Turmes am Kopf getroffen hat. Und nein, das etwa fünfjährige Mädchen trägt daran wenigstens keine Schuld. Denn sie tritt ja etliche Meter weiter heftig mit dem Fuß gegen eine Klötzchenwand. Das macht sie mit so großem Vergnügen, dass ihr ihre etwas ältere Schwester, auch Mut gefasst, gleich bei dieser Zerstörungsarbeit hilft. Aufbau. Niederreißen. Der große Spaß.
Zur weiteren Unterhaltung spielt draußen auf dem Hof das Orchester der Verkehrsbetriebe, T-Shirts werden bedruckt, Tango wird getanzt, was man eben so an einem Tag der offenen Tür zu bieten hat. Und weil sich die Menge in den vielen Hallen und Gängen des Hamburger Bahnhofs dann doch ein wenig verläuft, kann man ganz gut auch die Kunst gucken.
Etwas schneller als sonst, will es scheinen, geht es vorbei an den Kunstwerken, kürzer wird geschaut und schneller entschieden, wo man dann doch mal stehen bleibt und das Handy zückt für das Erinnerungsfoto. Hier ein Roy Lichtenstein, da eine Tracey Emin , dort die hübsch ornamental gefassten „Späti Paintings“ der in Berlin lebenden und in Kanada geborenen Künstlerin Elif Saydam, die gerade als neues Schlaglicht mit Geldern des Tiemann-Preises für zeitgenössische Malerei für die Sammlung vom Hamburger Bahnhof angekauft wurden .
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