Rekordsumme
"Super Mario Bros." wurde um 3 Millionen US-Dollar versteigert
Weltweit sind nur drei Exemplare dieser speziellen Produktionsvariante aus dem Jahr 1986 bekannt. Massive Kritik gibt es an der Preistreiberei um Retro-Games
Peter Zellinger
Mamma Mia! Aktuell werden die Plätze Eins und Zwei der am teuersten gehandelten Videospiele von Mario gehalten. Auf Platz 3 folgt Zelda.
Passionierte Sammler von Retro-Videospielen stöhnen schon seit einigen Jahren unter den stark ansteigenden Preisen. Die Zeiten, in denen man um wenige Euro einen Sensationsfund auf dem Flohmarkt machen konnte, sind auf jeden Fall vorbei. Eine in der Vorwoche über die Bühne gegangene Auktion hat aber einen neuen bisher ungekannten Rekordwert gebracht. Ein versiegeltes Exemplar von Super Mario Bros. wurde nun um die Rekordsumme von drei Millionen Dollar verkauft. Damit ist das NES-Spiel das am teuersten verkaufte Videogame aller Zeiten.
Das Spielmodul kam bei Heritage Auctions unter den Hammer und wird dort als der "Heilige Gral" einer jeden Videospielsammlung beschrieben. Erstaunlich ist der Gesamtzustand: Es wurde vom Auktionshaus mit einem Wert von PSA 9,6 A++ bewertet. Dabei handelt es sich um einen Standard, um Vintage-Videospiele zu bewerten. 9,6 steht dabei für "Near Mint" also einen nahezu perfekten Zustand. A++ zeigt darüber hinaus an, dass das Originalsiegel vorhanden und unbeschädigt ist.
Der Nintendo-Sticker auf der Verpackung weist zudem eine weitere Besonderheit auf: Er hat eine Hochglanz-Oberfläche. Unter Sammlern steigert das den Wert noch einmal, es gibt nämlich nur drei bekannte Exemplare der zweiten Auflage, die mit einem solchen Sticker versehen wurden. Hergestellt wurde das Modul demnach im Jahr 1986. Danach hat Hersteller Nintendo seine Spiele in Kunststofffolie eingeschweißt.
Zufallsfund in einer ungeöffneten Schachtel
Der Fund eines so gut erhaltenen Exemplars war ein Zufall. Es befand sich in der Schachtel einer ungeöffneten Konsole, die aus einem Markttest in Los Angeles stammt und 40 Jahre lang ungeöffnet blieb. Immerhin: Auch die Konsole war im Kaufpreis von drei Millionen Dollar inbegriffen.
"Die faszinierende Hintergrundgeschichte macht das Ganze noch beeindruckender: Das Spiel wurde erst vor wenigen Monaten in einem fabrikneuen 'Control Deck NES'-Konsolenbundle entdeckt. Das bedeutet, dass es fast 40 Jahre lang von niemandem berührt wurde", erklärt Evan Masingill, der Experte für Videospiele des Auktionshauses.
Dieses Videospiel kam für drei Millionen Dollar unter den Hammer.
Der Verkaufspreis stellt die bisherige Rekordsumme von zwei Millionen Dollar in den Schatten. Diese wurde im Jahr 2021 ebenfalls für eine originalverpackte Version von Super Mario Bros. bezahlt. Davor war es ein versiegeltes Exemplar von The Legend of Zelda , das im selben Jahr einen Erlös von 870.000 Dollar erzielte und bis dahin den Rekord für das teuerste Videospiel innehatte. Die Rekorde davor wirken aus heutiger Sicht wie ein Schnäppchen: 2020 war das teuerste je verkaufte Videospiel eine Kopie von Super Mario Bros. , die um vergleichsweise bescheidene 114.000 Dollar den Besitzer wechselte, wie The Verge berichtet.
Umstrittene Geschäftspraktiken
Kritiker werfen einigen Akteuren auf dem Markt für Retro-Videospiele vor, die Preise künstlich aufzublähen. Unter Beschuss stehen hauptsächlich sogenannte Grading Companys wie Wata Games (mittlerweile PSA). Deren Geschäftsmodell ist es, den Zustand von Videospielen zu bewerten. Der Vorwurf geht so: Die Firma sollen über abgesprochene Gebote den Eindruck vermittelt haben, der Wert von Videospielen würde ins Unermessliche steigen. Deshalb wurde in Kalifornien auch eine Sammelklage gegen Wata und Heritage Auctions eingebracht.
Das Spiel befand sich in dieser Konsolenschachtel, die von einem Markttest in Los Angeles stammt.
Die Kläger behaupten, dass Wata-CEO Deniz Kahn und Heritage-Mitbegründer Jim Halperin gezielt zusammengearbeitet haben, um den Markt zu manipulieren. So wurde beispielsweise ein Rekordverkauf von Super Mario Bros. öffentlichkeitswirksam inszeniert, obwohl Halperin zeitgleich als ungenannter Berater für Wata tätig war. Da Wata seine Bewertungsgebühren prozentual am Marktwert eines Spiels ausrichtet und Heritage hohe Auktionsprämien kassiert, profitierten beide Parteien massiv von dieser Preisexplosion, die den Wert seltener Spiele während der Pandemie in Millionenhöhe trieb, wie Video Games Chronicle berichtet.
Neben der Marktmanipulation sollen Wata-Mitarbeiter entgegen den eigenen Anti-Betrugs-Richtlinien selbst bewertete Spiele zu Höchstpreisen verkauft haben. Der Prozess läuft noch, die Beschuldigten wiesen die Vorwürfe als haltlos und diffamierend zurück. (Peter Zellinger, 15.6.2026)
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