Stand: 19.06.2026 âą 12:35 Uhr
Juckreiz und schlaflose NĂ€chte - Neurodermitis ist eine enorme Belastung fĂŒr Babys und deren Eltern. Wie wirkt sich die ErnĂ€hrung auf das Risiko aus, daran zu erkranken? Das hat nun eine Studie untersucht.
Von Constanze Alvarez, BR
SĂ€uglinge bekommen ĂŒber die Muttermilch alles, was sie fĂŒr die ErnĂ€hrung brauchen. Aber manchmal funktioniert es nicht mit dem Stillen oder es ist fĂŒr die Mutter aus anderen GrĂŒnden nicht möglich. Dann wird das Baby mit Flaschennahrung gefĂŒttert. Eine neue Studie hat sich damit beschĂ€ftigt, welche Auswirkung Flaschenmilch auf eine mögliche Neurodermitis-Erkrankung hat. Macht es einen Unterschied, ob das PrĂ€parat auf Kuh- oder Ziegenmilch basiert?
Daten von mehr als 2.000 SĂ€uglingen aus Spanien und Polen gingen in die Studie ein. Die Babys wurden bis zum Alter von einem Jahr von den Medizinern begleitet. Damit war es eine der gröĂten Studien ĂŒber SĂ€uglingsernĂ€hrung. Verglichen wurde die Standard-Flaschenmilch auf Kuhmilchbasis mit einer Flaschenmilch auf Ziegenmilchbasis.
Geringeres Risiko bei Ziegenvollmilch
Es zeigte sich, "dass die FlaschenernĂ€hrung im SĂ€uglingsalter eine starke Auswirkung hat auf das Risiko fĂŒr ein chronisches Ekzem", sagt Studien-Koordinator Berthold Koletzko vom Haunerschen Kinderspital des LMU Klinikums MĂŒnchen . Kinder, die mit einem PrĂ€parat auf Basis von Ziegenvollmilch ernĂ€hrt worden waren, hĂ€tten ein deutlich geringeres Risiko fĂŒr ein chronisches Ekzem gezeigt, als SĂ€uglinge, die eine Standardnahrung auf Kuhmilch-Basis bekommen hatten.
Ein signifikanter Unterschied zeige sich vor allem in der Gruppe, die die Vorgaben der Studie von Anfang an und bis zum Schluss komplett erfĂŒllt haben und bei den Kindern, bei denen die Eltern bereits Neurodermitis hatten. "Da sah man in der Kuhmilchgruppe 48 von 100 Kindern ein Ekzem entwickeln und in der Gruppe der Ziegenvollmilchnahrung nur 18", erklĂ€rt Studien-Koordinator Berthold Koletzko.
Keine generelle Empfehlung fĂŒr Babynahrung auf Ziegenmilch-Basis
LĂ€sst sich aufgrund der Studie eine generelle Empfehlung aussprechen fĂŒr alle Kinder? Hier rĂ€t Kirsten Beyer, Leiterin des Kinderallergologischen Studienzentrums an der CharitĂ© Berlin zur Vorsicht. Sie war nicht an der Studie beteiligt. Aus ihrer Sicht ist die Studie korrekt ausgefĂŒhrt worden und die Ergebnisse spannend fĂŒr weitere Forschung.
Dennoch sei die Gruppe der Kinder, in der sich die Unterschiede deutlich gezeigt hĂ€tten, sehr klein: "Wenn ich Kinder nehme, deren Eltern selber eine Neurodermitis haben oder hatten, das sind noch sehr geringe Fallzahlen", erklĂ€rt die Allergologin. "Deswegen wĂ€re ich sehr vorsichtig mit der Interpretation der Daten in die Richtung, dass man jetzt empfehlen wĂŒrde, SĂ€uglingsmilchnahrung auf Basis von Ziegenvollmilch zu geben."
Warum Ziegenmilch das Risiko einer Neurodermitis-Erkrankung bei einer bestimmten Gruppe von SĂ€uglingen möglicherweise verringern könnte, ist noch nicht geklĂ€rt. Damit will sich das Team rund um Berthold Koletzko in den nĂ€chsten Jahren beschĂ€ftigen. Die Kinder werden bis zum Alter von fĂŒnf Jahren vom Forscher-Team weiter begleitet. Auch um herauszufinden, welche Auswirkungen die Hautkrankheit auf spĂ€tere Folgeerkrankungen haben kann, wie beispielsweise eine Lebensmittelallergie, Asthma oder Heuschnupfen.
Hilfreich fĂŒr Eltern: Neurodermitis-Schulungen
UnabhÀngig von der Studie rÀt Kirsten Beyer Eltern, deren Kinder an Neurodermitis erkrankt sind, sich mit einer umfassenden Behandlung helfen zu lassen und zum Beispiel eine Neurodermitis-Schulung in Anspruch zu nehmen.
Die Schulung fĂ€ngt bei der Basistherapie an, in der die Kinder regelmĂ€Ăig eingecremt werden, und geht weiter mit anti-entzĂŒndlichen MaĂnahmen, die von den Ărzten getroffen werden. "Leider gibt es immer noch ganz viele Kinder, die weder adĂ€quat diagnostiziert noch therapiert sind, und das ist eigentlich das Traurige daran."
Die Ursachen fĂŒr Neurodermitis sind vielfĂ€ltig, restlos geklĂ€rt sind sie nicht. Und auch was die PrĂ€vention angeht, sind noch viele Fragen offen.
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