Japan
Seit einigen Jahren nimmt in Japan die Zahl der Sichtungen und auch jene der Angriffe von Bären deutlich zu. Betroffen sind nicht nur ländliche Gebiete, sondern auch städtische, derzeit vor allem die Stadt Utsunomiya. Seit Tagen streunt hier ein Bär, wenn nicht sogar mehrere, umher. Am Montag blieben deshalb sämtliche Schulen geschlossen.
8. Juni 2026, 17.59 Uhr
Die Schließung der fast hundert staatlichen Volks- und weiterführenden Schulen in Utsunomiya wurde damit begründet, dass es seit Samstag in der nördlich von Tokio gelegenen Stadt mehr als zehn Meldungen wegen Bärensichtungen gab, darunter Vorfälle in einem Einkaufszentrum, vor einer Volksschule und nahe einer Mittelschule.
Unklar ist noch, ob es sich um einen oder mehrere Bären handelt. Montagfrüh (Ortszeit) wurde jedenfalls erneut eine Bärensichtung in der Stadt mit rund 500.000 Einwohnern und Einwohnerinnen gemeldet. Die Bewohnerinnen und Bewohner seien aufgerufen, nicht ins Freie zu gehen. Zudem müssten sie Türen und Fenster geschlossen halten, so die Behörden. Im Falle einer Begegnung mit einem Bären müsse man sich sofort in einem nahe gelegenen Gebäude verschanzen.
Ein wilder Bär sorgt für Aufruhr in der Stadt nahe Tokio
Suche nach Bären im Gange
Dutzende Jäger, Polizisten und weitere Beamte seien derzeit auf der Suche nach dem Tier, sagte ein Vertreter der Stadtverwaltung der Nachrichtenagentur AFP. Normalerweise, schrieb der britische „Guardian“, würden die Tiere nicht so nah an Tokio gesichtet. Allerdings sei es im vergangenen Monat im Großraum Tokio zu einer Begegnung gekommen, bei der ein Mensch verletzt worden sei.
Bär im Büro
Erst vergangene Woche sei es in Fukushima zu einem Angriff eines Bären auf vier Personen gekommen – in den Büroräumlichkeiten eines Unternehmens. Auf Überwachungsaufnahmen des Stahlwerks Fukushima ist zu sehen, wie ein Schwarzbär einen Arbeiter am Werkseingang jagt und zu Boden wirft.
Im vergangenen Jahr wurden in dem Land 13 Menschen von Bären getötet, so viele wie noch nie. Zwischen April 2025 und Ende März dieses Jahres wurden landesweit mehr als 50.000 Bärensichtungen verzeichnet, mehr als doppelt so viele wie im bisherigen Rekordjahr 2023.
Regierung sagt Bären den Kampf an
Im Kampf gegen die „Bärenkrise“ betonte zuletzt Japans Regierung, die auf 44.000 asiatische Schwarzbären und 12.000 Ussuri-Braunbären geschätzte Bärenpopulation des Landes künftig besser kontrollieren zu wollen. Erreicht werden soll das unter anderem mit einer verstärkten Ausbildung von Jägern und weiteren Fachkräften. Jedes Jahr werden Tausende Tiere abgeschossen. Vergangenes Jahr kamen in der japanischen Präfektur Akita sogar Soldaten zum Einsatz.
Schulschließungen wegen eines streunenden Bären
Wegen eines streunenden Bären sind in der japanischen Stadt Utsunomiya alle Schulen geschlossen geblieben. Seit Jahren nimmt die Zahl der Bärensichtungen und -angriffe in Japan deutlich zu. Die Tiere sind vermehrt in Städten auf Nahrungssuche. Jedes Jahr werden Tausende Bären geschossen.
Nahrungsmittelsuche treibt Bären in Ortschaften
„Asiatische Schwarzbären gelten weltweit als gefährdete Art, doch ihre Zahl hat sich in Japan seit 2012 schätzungsweise verdreifacht, was auf einen Rückgang der Jagd zurückzuführen ist“, schrieb die Nachrichtenagentur Reuters.
Als zentrale Gründe für die zunehmenden Begegnungen zwischen Menschen und Bären gelten ebendiese wachsende Population sowie durch den Klimawandel veränderte Verhaltensweisen der Tiere. Vielfach treibe die Suche nach Nahrungsmitteln die Bären in die Ortschaften. Der „Guardian“ verwies darauf, dass Bären etwa wegen wärmer werdender Winter später als gewöhnlich in Winterschlaf gehen. Das erhöhe „die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung“.
„Da die Bärensichtungen in ganz Japan weiter zunehmen und vermehrt Fälle in Gebieten in der Nähe von Wohngebieten gemeldet werden, ist auch die Nachfrage nach Geräten und Ausrüstungen zur Abwehr oder Vertreibung von Bären gestiegen“, berichtete die „Japan Times“. Diese reiche von traditionellen Glocken bis zu speziellen Stangen, Sprays und elektronischen Geräten.
Read the full article at ORF News →