Laut einer in dieser Woche veröffentlichten wegweisenden Studie zu Onlinebetrug in Europa waren 75 Prozent der Erwachsenen im vergangenen Jahr Ziel eines Betrugsversuchs. Obwohl 71 Prozent der Befragten sich zutrauten, Betrugsversuche zu erkennen, traten acht Prozent der Betroffenen mit den Betrügern in Kontakt. Unter den Eltern sagten 16 Prozent, dass ihre Kinder von Betrügern kontaktiert worden seien.
In den europäischen Ländern, die in der Studie untersucht wurden, wurden in den vergangenen zwölf Monaten Verluste von etwa 50 Milliarden Euro (57,7 Milliarden US-Dollar) verzeichnet, so die Studie der Global Anti-Scam Alliance (GASA) , einer gemeinnützigen Organisation, für die rund 22.000 Menschen in 15 europäischen Ländern befragt wurden.
Von den Teilnehmenden, die mit einem Betrugsversuch konfrontiert waren, erlitten 22 Prozent einen finanziellen Schaden oder Datenverlust, nur 39 Prozent davon meldeten den Vorfall jedoch den Behörden. Die finanziellen Verluste beliefen sich im Schnitt auf 2369 Euro (2735 US-Dollar), wobei die höchsten durchschnittlichen Verluste in der Schweiz, Dänemark und Belgien verzeichnet wurden. Für Deutschland schätzt GASA die Verluste in den vergangenen zwölf Monaten auf etwa 10,6 Milliarden Euro.
Etwa 35 Prozent der Befragten, die ihren Verlust meldeten, erhielten von der Organisation, bei der sie diesen gemeldet hatten, ihr Geld zurückerstattet.
"Betrugsversuche werden meist durch gewohnheitsmäßiges Handeln, wie das Ignorieren unaufgefordert eingehender E-Mails, vereitelt, nicht durch gezielte Maßnahmen", heißt es im GASA-Bericht.
"Der Hälfte der Opfer wird erst nach einem Eingreifen von außen oder nachdem sie Geld verloren haben, bewusst, dass sie betrogen wurden", heißt es weiter.
Die Betrugsfabriken Südostasiens
Der GASA-Bericht enthält keine Angaben dazu, wie viele europäische Opfer von Südostasien aus kontaktiert werden - der Region, die in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Knotenpunkt für Internetbetrug geworden ist.
Im Jahr 2024 schätzte das United States Institute of Peace den Wert der Onlinebetrugsbranche in Kambodscha auf nahezu 11 Milliarden Euro (12,7 Milliarden US-Dollar) pro Jahr, etwa die Hälfte des offiziellen BIPs des Landes. Zusammen mit Betrugsfabriken in Myanmar und Laos könnten diese Verbrechersyndikate über 37,9 Milliarden Euro erwirtschaften.
Im April 2025 ging das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) davon aus, dass die großangelegten Betrugsfabriken jährlich nahezu 34 Milliarden Euro Gewinn erzielen.
Kambodschas Scam-Industrie
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Die Betrugsindustrie war nicht der einzige Faktor in der tödlichen Grenzkrise zwischen Thailand und Kambodscha , die 2025 ausbrach. Dennoch hat Bangkok die Betrugsfabriken hinter der Grenze wiederholt als Bedrohung für die nationale Sicherheit eingestuft. Auch die Behörden in Thailand begründen Grenzkontrollen und Unterbrechungen von Versorgungswegen mit dem Ziel, illegale Betrugsfabriken in Kambodscha zu zerschlagen.
Viele der Onlinebetrugsnetzwerke in der Region scheinen von kriminellen chinesischen Banden geführt zu werden, doch angesichts der steigenden Summen, um die auch chinesische Staatsbürger betrogen werden, hat die Bekämpfung dieser Netzwerke mittlerweile auch für Peking Priorität.
In Myanmar übt China erheblichen Druck auf die verschiedenen Akteure im Bürgerkrieg aus, gegen die Betrugsfabriken vorzugehen. Analysten warnen jedoch, dass Razzien die Netzwerke oft lediglich vertreiben, sie aber nicht zerschlagen.
Außerdem übt Peking Druck auf Kambodscha aus, in China geborene Betrüger, darunter auch Chen Zi, auszuliefern, um sie in China vor Gericht zu stellen.
Europa hinkt den USA hinterher
Washington hat bereits deutlich mehr Schritte zur Bekämpfung des Problems unternommen als Brüssel. Im vergangenen Oktober verhängte das US-Finanzministerium gemeinsam mit Großbritannien Sanktionen gegen 146 Personen und Organisationen mit Verbindungen zur in Kambodscha ansässigen Prince Group, einem der größten Mischkonzerne des Landes, der von Washington als grenzübergreifende kriminelle Vereinigung eingestuft wird.
Trotz Razzien in Myanmar und Kambodscha haben Betrugsnetzwerke in Südostasien Europa weiter im Visier Bild: The Myanmar Military True News Information Team/AP/dpa/picture alliance
Im selben Monat klagte das US-Justizministerium Chen Zhi, den Vorsitzenden der Prince Group und früheren Berater des kambodschanischen Premierministers, wegen des mutmaßlichen Einsatzes von Zwangsarbeitenden in den Betrugsfabriken an, und stellte eigenen Angaben zufolge den bislang größten Antrag auf Beschlagnahme, bei dem es um Bitcoin im Wert von rund 15 Milliarden US-Dollar geht.
Desweiteren ergriff Washington Maßnahmen gegen die in Kambodscha ansässige Huione Group, einen weiteren großen Mischkonzern, und verhängte Sanktionen gegen Senatoren und Industriemagnate, die der h…
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