Autoreninfo
Clemens Traub ist Cicero -Redakteur. Zuletzt erschien von ihm das Buch „ Future For Fridays? “ im Quadriga-Verlag (Bastei Lübbe).
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Im Cicero -Podcast Politik diskutiert der Publizist Henryk M. Broder mit Redakteur Clemens Traub über eine politische Kultur, die aus seiner Sicht zunehmend aus dem Takt gerät. Broder – bekannt für pointierte Zuspitzungen, scharfe Ironie und eine Vorliebe für rhetorische Reibung – beschreibt eine Öffentlichkeit, in der Kontroversen schneller moralisch aufgeladen werden als argumentativ ausgetragen.
Im Zentrum steht die Frage, wo die Grenzen der Meinungsfreiheit tatsächlich verlaufen. Broder widerspricht der verbreiteten Annahme, vor allem der Staat ziehe diese Linie. Seine nüchterne, fast lakonische Diagnose: „Man kann alles sagen – aber nicht ohne Konsequenzen.“ Gemeint ist ein gesellschaftliches Klima, das Positionen nicht verbietet, sie aber mitunter so stark sanktioniert, dass sie faktisch aus dem Diskurs gedrängt werden.
Besonders deutlich wird das für ihn in der Debatte um ein mögliches AfD-Verbot. Was als juristische und politische Abwägung beginnen könnte, erscheine ihm zunehmend als emotional aufgeladene Zuspitzung – eine „hysterische Verbotsdebatte“, in der Argumente und moralische Urteile ineinanderfließen. Auch die sogenannte Brandmauer betrachtet er skeptisch: politisch vielleicht nachvollziehbar, kommunikativ jedoch riskant, wenn sie in pauschale Etikettierungen kippt. Seine zugespitzte Warnung: „Man kann nicht ein Drittel der Wähler zu Nazis erklären.“
Eng damit verknüpft ist seine Kritik am Umgang mit historischer Verantwortung. Der Nationalsozialismus, so Broder, sei in vielen Debatten weniger Referenzpunkt als Reflex geworden – ein moralischer Hammer, der Gegenwartsfragen überlagere. Pointiert formuliert er: „Deutschland hängt im Würgegriff des Nationalsozialismus.“ Gemeint ist die Sorge, dass Geschichte nicht nur erinnert, sondern zunehmend als Deutungsfilter der Gegenwart eingesetzt wird.
Clemens Traub und Henryk M. Broder in der Cicero -Redaktion / J. Marguier
Das Gespräch wurde am 9. Juni 2026 in der Cicero -Redaktion aufgezeichnet.
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