Wer sich an diesem Samstag in Wien fragt, wo es lang geht, muss nur dem Glitzer, den bunten Flaggen oder farbenfrohen Kleidungsstücken folgen. Das gilt zumindest für jene hunderttausenden Menschen, die an der 30. Regenbogenparade in Wien teilnehmen. Einen ganzen Tag gehört der Ring der LGBTQIA+-Community , ihren Rechten, ihrer Sichtbarkeit, ihren Anliegen.
Noch bevor der Festzug den Parkring erreicht, haben bereits zahlreiche Menschen rund um den Stadtpark Stellung bezogen. Sitzend, redend, trinkend, wartend. Christa ist eine von ihnen. Auf ihrer Wange leuchtet ein Herz in Regenbogenfarben, ein Tuch im selben Stil ist an den Träger ihrer Umhängetasche geknotet. Warum sie hier ist? „Weil der Hass immer mehr wird. Und da müssen die Leute, die für Liebe stehen oder für Toleranz, lauter werden.“
Christa und ihre Begleiterinnen.
Wenige Meter weiter sitzen Clara und ihre Freunde am Straßenrand. Zwar lebt die Österreicherin mittlerweile in Berlin, die Parade sei für sie dennoch jedes Jahr ein Fixpunkt geblieben: „Weil es Spaß macht, alle gut drauf sind und offen. Und jeder kann anziehen, was er will.“
„Uns selbst feiern“
Cecilia ist Amerikanerin und lebt seit zwei Jahren in Wien. In ihrer Heimat habe sie erlebt, wie wichtig es ist, sich aktiv für die Rechte queerer Menschen einzusetzen. Was sie in den USA beobachtet habe, dürfe sich in anderen Ländern nicht wiederholen.
Teilnehmer der 30. Regenbogenparade in Wien
Pride-Parade in Wien
Teilnehmer der 30. Regenbogenparade in Wien
Teilnehmer der 30. Regenbogenparade in Wien
Teilnehmer der 30. Regenbogenparade in Wien
Teilnehmer der 30. Regenbogenparade in Wien
Teilnehmer der 30. Regenbogenparade in Wien
Teilnehmer der 30. Regenbogenparade in Wien
Teilnehmer der 30. Regenbogenparade in Wien
Teilnehmer der 30. Regenbogenparade in Wien
Marin steht Cecilia im Kreis der Freundesgruppe gegenüber. Auch er kommt auf die politische Lage in anderen Ländern zu sprechen. Denn Marin lebt zwar ebenfalls seit zwei Jahren in Wien, ist jedoch in Ungarn aufgewachsen. Er erinnert daran, dass die Pride in seinem Heimatland im Vorjahr verboten wurde – und dennoch stattfand. Er selbst habe beide Pride-Paraden besucht, jene in Wien als auch jene in Budapest. Die beiden Events würden sich deutlich unterscheiden, sagt er. „Hier ist es wirklich eine Parade, bei der wir Spaß haben und uns selbst feiern können.“ In Ungarn sei das anders.
Zwischen zwei Bäumen hat eine Familie ihr Lager aufgeschlagen. Vier Klappsessel sind um einen Tisch verteilt, ein Strauß Rosen steckt in einem zur Vase umfunktionierten Thermobecher. Gefeiert wird der Geburtstag der kleinen Tochter – inklusive mehrerer Bleche Kuchen, die an hungrige Passantinnen und Passanten verteilt werden. „Ich finde, es ist wichtig, dass alle gut zusammenleben. Da haben wir uns gedacht, wir können vielleicht mitfeiern“, erklärt die Mutter, deren Füße in bunten Regenbogen-Badeschlapfen stecken.
320.000 Menschen
Donnernde Bässe und flackerndes Blaulicht kündigen schließlich den Demozug an. Gegen 14 Uhr biegt die Menge auf den Schubertring ein. Etwas später als geplant, denn der Regen hatte dafür gesorgt, dass die Parade ihren Abmarsch beim Rathausplatz erst 20 Minuten verspätet antreten konnte. Einige Regentropfen begleiten die Demonstrierenden auch am Nachmittag noch, bevor sich die Sonne endgültig durchsetzt.
Vom Wetter lassen sich die rund 320.000 Feiernden aber nicht beirren. Laute Musik dröhnt aus den Boxen, auf geschmückten Wägen wird getanzt, Seifenblasen schillern über der Menschenmenge. Immer wieder muss das Security-Personal das Publikum von den Straßenbahngleisen verscheuchen, um Platz für die beiden bunten Sonderzüge an der Spitze der Parade zu machen.
Gegen Abend erreicht der Zug das Pride Village am Rathausplatz. Neben Ansprachen von Aktivistinnen und Aktivisten sowie Politikerinnen und Politikern stehen auch Auftritte von Conchita Wurst und JJ auf dem Programm. Nach wie vor werden über den Köpfen Fahnen geschwungen und Schilder gehalten. Schriftzüge wie „65 Länder sehen uns als Kriminelle – das muss sich ändern“ oder „Von Liebe getriggert sein? Peinlich“ sind zu lesen und machen darauf aufmerksam, dass die Pride trotz Feierlaune vor allem eines bleiben sollte: ein Protest.
kurier.at
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13.06.2026, 12:24
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Aktualisiert am 13.06.2026, 19:19
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