Fußball-Weltmeisterschaft
ORF-Sportchefs über die WM: "Ich wüsste nicht, was ein Boykott bewirken soll"
Dass alle WM-Spiele im Free-TV zu sehen sind, ist nicht mehr selbstverständlich, sagen Veronika Dragon-Berger und Martin Szerencsi. Kommentatorinnen werden gesucht
Interview
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Oliver Mark
Wien – Wenn am Donnerstag, 11. Juni, um 21 Uhr die Fußball-Weltmeisterschaft mit der Partie Mexiko gegen Südafrika angepfiffen wird, wissen Veronika Dragon-Berger und Martin Szerencsi schon seit einigen Stunden, wer ihr nächster Chef oder ihre nächste Chefin sein wird. Die ORF-Wahl findet bereits am Donnerstagnachmittag statt. Davon unberührt orchestriert das Duo an der Spitze der ORF-Sportredaktion die WM-Berichterstattung. Bei der Nationalmannschaft spielt der ORF noch die erste Geige, im Klubfußball längst nicht mehr. In Österreich teilen sich der ORF und Servus TV die WM-Rechte – beide Sender zeigen jeweils 52 von insgesamt 104 Spielen.
Die ORF-Sportchefs Martin Szerencsi und Veronika Dragon-Berger müssen den Ball aus wirtschaftlichen Gründen flach halten. Der ORF teilt sich die WM-Rechte mit Servus TV.
STANDARD: Am 11. Juni beginnt die Fußball-WM, an dem Tag findet auch die ORF-Wahl statt. Worauf freuen Sie sich mehr?
Dragon-Berger: Der Termin der Fußball-WM steht länger fest, ich freue mich auf die Herausforderung. Ein leichtes Kribbeln ist bereits vorhanden.
Szerencsi: Ich bin nicht wahl-, sondern nur sehberechtigt. Deswegen ist es die Fußball-WM.
STANDARD: Der ORF schickt nur ein zehnköpfiges Team um Moderator Rainer Pariasek zur Fußball-WM. Warum fällt die Mannschaft so klein aus?
Szerencsi: Wir haben im ORF-Zentrum in Wien alle Möglichkeiten für eine Berichterstattung, die alle Stückchen spielt. Bei derartigen Distanzen wie bei der WM wäre es wirtschaftlich nicht mehr vertretbar, von einer umfassenden Vor-Ort-Berichterstattung auszugehen.
"In Katar war es möglich, an einem Tag sogar drei Spiele persönlich besuchen zu können. Bei einer WM in den USA, Kanada und Mexiko geht das nicht mehr."
Martin Szerencsi
STANDARD: War vor vier Jahren in Katar noch bei jedem Spiel ein ORF-Kommentator im Stadion?
Szerencsi: Wir hatten auch damals eine Kooperation mit Servus TV, allerdings war ein größeres Redaktions- und Technikteam vor Ort. Die geografischen Gegebenheiten waren einfacher. In Katar war es möglich, an einem Tag sogar drei Spiele persönlich besuchen zu können. Bei einer WM in den USA, Kanada und Mexiko geht das nicht mehr.
STANDARD: ORF-Kommentatoren sind nur bei Österreich-Spielen, dem Eröffnungsspiel, beim Halbfinale und dem Finale vor Ort. Geht da nicht atmosphärisch viel verloren, wenn nicht direkt aus den Stadien berichtet wird?
Dragon-Berger: Wir glauben nicht, dass viel verloren geht. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem österreichischen Team, das begleiten wir sowieso vor Ort. Wir sind in der Nähe des Teamquartiers. Das Studio in Wien wird sich in einem neuen Design präsentieren. Wir können seitlich die Videowalls sowie den Boden bespielen. Für den Zuseher sollten die grafischen Elemente nicht zu kurz kommen. Wir können Analyseszenen aufbereiten und in allen Teams sind Experten dabei. So sind wir gut aufgestellt.
STANDARD: Andreas Herzog, Peter Stöger und Andreas Ivanschitz wurden neu verpflichtet. Wie zufrieden sind Sie mit der Aufstellung des ORF?
Szerencsi: Wir können ein sehr attraktives Team an Expertinnen und Experten bieten. Auch mit einigen Frauen wie Viktoria Schnaderbeck, Lisa Makas oder Jasmin Eder. Diese unterschiedlichen Perspektiven sind ein Mehrwert für den Zuseher.
Im ORF-Expertenteam für die WM und der 4:4:2-Aufstellung fehlt ein gelernter Stürmer oder eine Stürmerin.
STANDARD: Der Schlüssel zwischen dem ORF und Servus TV wurde bereits vor der Auslosung der Gruppen bestimmt, aber: Österreich gegen Argentinien läuft um 19 Uhr bei Servus TV, während der ORF die Spiele gegen Jordanien und Armenien um 6 bzw. 4 Uhr in der Früh zeigen muss. Wie sehr schmerzt das?
Szerencsi: Schmerzen ist der falsche Ausdruck. Wir haben uns zu einer Kooperation mit Servus TV entschieden, auch weil es aus wirtschaftlichen Gründen notwendig ist. Wenn man eine Vereinbarung eingeht, dann muss man auch dazu stehen. Wir können mit unseren Expertinnen und Experten ein attraktives Programm liefern. Und ich gehe davon aus, dass das erste WM-Match nach 28 Jahren trotz des ungünstigen Morgentermins viele Zuseher findet.
"Entscheidend ist, dass in Österreich alle 104 Spiele im Free-TV zu sehen sind. Das ist auch bei einer Fußball-WM mittlerweile keine Selbstverständlichkeit mehr."
Martin Szerencsi
STANDARD: Bei der Kooperation mit Servus TV gibt es Synergien im Bereich der Technik. Sind die auch redaktioneller Natur?
Szerencsi: Wir wollen die redaktionelle Eigenständigkeit beider Medienhäuser bewahren. Der ORF ist der ORF, Servus TV ist Servus TV. Aus den Synergien in der produktionstechnischen Arbeit und in der Logistik w…
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