Brettspiel-Tipp
Morty Sorty Magic Shop: Flaschendrehen in jugendfrei
Mit vollen Flaschen und robusten Regalen (hoffentlich) zum Spiel des Jahres
Alexander Putzendopler
Zutaten sind das Salz in der Sortiersuppe
Während aktuell der ein oder andere Leser begeistert die Fußball-WM und deren noch so kleine Zwischenergebnisse verfolgt, sind es andere Preise, die den diese Zeilen zu Papier bringenden Kulikleckser interessieren. Insbesondere natürlich auch das Spiel des Jahres samt seiner Unterkategorien (bitte, liebe Jury, schafft endlich den Titel für das Expertenspiel des Jahres. Bitte!).
Die letzten zehn Jahre waren für die Szene der österreichischen Spieleautoren dahingehend außergewöhnlich erfolgreich: So haben in allen drei Kategorien – Spiel des Jahres, Kinderspiel und Kennerspiel des Jahres von insgesamt 30 vergebenen Pöppeln fünf den Weg in die Alpenrepublik gefunden.
Die dadurch preisgekrönten Autoren seit 2016 aus unseren heimischen Gefilden (die Nominierungen werden einmal außen vor gelassen, sind aber ebenfalls beachtlich) sind Arno Steinwender, Wolfgang Warsch, Alexander Pfister, Andreas Pelikan, Johannes Krenner und eben der Autor des heute beschriebenen Flaschendrehens, Markus Slawitschek.
In Hinblick auf die Internationalität der Branche sind dies schöne Erfolge für die heimische Szene, wobei selbstverständlich jeder einzelne an die Genannten dedizierte Preis wohlverdient und hochgerecht vergeben wurde.
Nun steht bei der Preisverleihung zur 48. Iteration der Vergabe dieser wichtigsten Auszeichnung der Spielebranche am 12. Juli 2026 wieder ein Österreicher auf der Nominierungsliste und zwar eben mit dem hier vor den Vorhang gezogenen Morty Sorty (mit vielen Gadsen – welche übrigens auch bei einem der weiteren Nominierten, dem an dieser Stelle bereits vorgestellten Cozy Stickerville eine wichtige Rolle spielen. Gadsen FTW).
Flaschenschupfen mit Gadsen
Ist der Federführer zwar nicht ganz die Zielgruppe für ein klassisches Familienspiel, so hat artikelgegenständliches Flaschenschupfen ihn doch umgehend von der Qualität des Spiels überzeugt (es sind die Gadsen!).
Grob zusammengefasst geht es schlicht darum, jede Runde eine gewisse Anzahl von Zutaten in Flaschenform aus einem Sackerl zu ziehen und diese mit Verve auf den Tisch zu schmeißen, wodurch die Seite, mit welcher des Zaubermeisters Zutaten nach oben hin zu liegen kommen, zufällig bestimmt wird. Damit noch weitere Variablen zu den vier verschiedenen Zutaten kommen, sind diese auch noch in vier verschiedenen Flaschenarten aufbewahrt, selbige wiederum mit Zahlenwerten versehen. Nun gilt es reihum jeweils eine der Zutaten an sich zu reißen und nach leicht zu verinnerlichenden Legeregeln auf einem der drei eigenen Regalbretteln zu verstauen oder, findet man kein Platzerl, zu passen.
Die Gadsen machen den Verlust erträglich.
Es wäre kein Eurogame, gäbe es hier nicht gewisse Zwänge, denen der lebenslustige Ladeneigner zu folgen hätte. So haben sämtliche Zutaten in aufsteigender Reihenfolge auf die Bretter, die die Magie bedeuten, geschlichtet zu werden, die Deckelfarbe möge im Auge behalten sein und auch das magische Graffel selbst spielt bei der abschließenden Wertung eine Rolle, mittels Gadseneinsatz kann man diese Regulatorien jedoch teilweise umschiffen.
Näher sei auf die Regeln nicht eingegangen, lediglich angemerkt, wie unendlich schlau und ineinandergreifend die Schlusswertung anhand der Positionen der eingeräumten Bouteillen und deren Zahlenwerte dann schließlich durchgeführt wird.
Dankenswerterweise bietet vorliegender Titel durch unterschiedliche Wertungsvarianten in abgestufter Komplexität die Möglichkeiten, einerseits den lockeren Familienspieler ans Brett zu locken, andererseits auch geneigte Grübler in namensgebende Grübelstarre zu versetzen.
30 Minuten wahre Freude
Nein, Morty Sorty erfindet das Genre definitiv nicht neu. Nein, das Thema hat keinerlei Einfluss auf das Spielgeschehen. Aber: Es sind pro Partie dermaßen leichtgängige 30 Minuten, die dennoch keinesfalls in die Banalität abdriften, es ist eine wahre Freude. Das Spiel des Jahres soll Werke auszeichnen, welche (bestenfalls) gut und originell sind, jedenfalls aber ein Anreiz für (noch) Nichtspieler sein mögen, den Blick vom Bildschirm auf die bedruckte Cellulose zu lenken und generationenübergreifend ein erbauliches Erlebnis zu bieten. Dies ist hier trefflichst gelungen.
Somit bleibt nur, für die Preisverleihung die Daumen zu drücken – dann freuen sich auch die Gadsen.
Disclaimer: Der Autor des Spiels und der des Artikels sind miteinander befreundet. (Alexander Putzendopler, 13.6.2026)
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