Olivera Stajić
Mit ihrem "Remigrationssong" macht die FPÖ Deportation zum Sommerhit
Die Normalisierung des Kampfbegriffes "Remigration", der nichts anderes als Massendeportationen meint, schreitet voran. Dieses Mal darf mitgesungen werden
Kommentar
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Olivera Stajić
KI-generierte Frauen mir Kopftuch steigen in einen blauen Flieger mit der Aufschrift Airbert One. Blonde Kinder winken dem Flugzeug fröhlich hinterher, ebenso blonde und formschöne Frauen. Es winken und strahlen auch ganze Familien, erraten, sie sind ebenfalls blond und schön.
Unterlegt ist das Ganze mit beschwingter Popmusik und den Textzeilen: "Remigration – tschüss, tschüss, tschüss. Österreich ist frei!" Ein Sommerhit!
FPÖ Jugend mit "Team Remigration"-T-Shirt im Freibad Wolkersdorf. Aufgenommen im Sommer 2024.
"Österreich ist frei!"
Glückliche Frauen trällern das Lied bei Autofahren und räkeln sich in Badebekleidung am Steg, blonde Babys schlafen friedlich im Zug, Familien tanzen im Park, dazwischen Bilder wie aus der Österreich-Werbung: Seen, Berge und auch das Burgtheater. Österreich singt: "Der Flieger hebt ab, leicht und frei, Remigration, la-la-la-la! Österreich ist frei, alles gut, so ein Tag, der einfach Wunder tut! Und die Sonne scheint, la-la-la-la, und der Himmel lacht, la-la-la-la."
Diese Szenen stammen aus dem Video zum kürzlich vorgestellten Lied "Airbert One – Der Remigrationssong". Sie sind verstörend, der Text unterirdisch. Wenig daran ist neu.
Wer gemeint ist?
Das rechtsextreme Konzept der "Remigration" ist längst fixer Bestandteil des FPÖ-Programms, inzwischen wird er offen in parlamentarischen Reden verwendet . Also: Wieso nicht einen Sommerhit versuchen?
Und dass die FPÖ damit genau das meint, was der Identitäre Martin Sellner und andere Rechtsextremisten auch darunter verstehen, hat Herbert Kickl auch schon in der ZiB2 erklärt : "Wenn jemand glaubt, er kann unsere Werte angreifen, dann können wir auch eine Rechtslage herstellen, dass man solchen Leuten die Staatsbürgerschaft auch wieder entziehen kann." Es soll also niemand das schon immer fadenscheinige Argument bringen, "es sind nur kriminelle Asylwerber gemeint".
Ergötzen an Menschenverachtung
Was den "Remigrationssong" als neuen Tiefpunkt interessant macht, ist die demonstrative und unbändige Freude und das Ergötzen an Machtausübung und Menschenverachtung.
Die Erzählung von besorgten oder angehängten Protestwählern und Wutbürgern, die man ernst nehmen muss, damit sie endlich nicht mehr auf die extrem Rechten hereinfallen, war nie besonders glaubwürdig und ist dieser Tage endgültig widerlegt. Der Rechtspopulismus ist keine Protestbewegung, sondern eine demokratiezerstörende und die Gesellschaft zersetzende Ideologie.
Sie singen es uns vor
Was Rechtspopulisten wollen, schreiben und sagen sie schon seit Jahren: Eine homogene, ethnisch reine Gesellschaft. Und das wollen sie mit Deportation oder totaler Assimilierung durchsetzten. Nun trällern sie es uns auch noch fröhlich vor. Es wäre also an der Zeit, ihnen zu glauben und keine Ausreden mehr gelten zu lassen.
Wie der nächste Schritt in der Durchsetzung ihrer Vorhaben ausschauen könnte, konnte man in den Straßen von Minneapolis oder zuletzt Belfast sehen. (Olivera Stajić, 15.6.2026)
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