Ukraine
Die gegenseitigen Attacken im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sind auch am Freitag mit unverminderter Härte weitergegangen. Die Krim werde „bald“ von Russland abgeschnitten sein, ist der Kommandant der ukrainischen Drohneneinheiten, Robert Browdi, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters überzeugt. Er legte dazu auch Zahlen vor, die die ukrainischen Erfolge belegen.
12. Juni 2026, 23.54 Uhr
Die Kampagne habe den Verkehr auf der Noworossija-Autobahn im vergangenen Monat um mehr als zwei Drittel reduziert, so Browdi. Die „Noworossija-Route“ ist die entscheidende russische Hauptversorgungsroute, die sich durch die von Moskau besetzten ukrainischen Gebiete schlängelt und Rostow am Don in Russland über die Küste des Asowschen Meeres mit Melitopol, Mariupol und der Krim verbindet.
Die Straße, die seit Ende Mai fast vollständig für den zivilen Verkehr gesperrt ist, ist für Moskau besonders wichtig, da sie den wichtigsten Landkorridor zur Versorgung der russischen Streitkräfte im Süden darstellt, die die exponierte Kertsch-Brücke zur Krim meiden.
Der Kommandant der ukrainischen Drohneneinheiten, Robert Browdi
Zahlreiche „Wracks auf Straßenrand“
Browdi ist überzeugt, dass die Ukraine innerhalb eines weiteren Monats die Straße vollständig kontrollieren werde. „Wir werden die Krim in naher Zukunft isolieren“, so Browdi zu Reuters.
Laut „Guardian“ haben die ukrainischen Streitkräfte der „Noworossija-Route“ den Namen „Todesstraße“ gegeben. Das ist eine Anspielung auf die ukrainischen Drohnen, die den Luftraum über der Straße beherrschen und russische Militärkonvois quasi jagen.
„Wir beobachten alle Bewegungen und haben die Reparaturarbeiten des Gegners vollständig unter Kontrolle. Wir sind jederzeit bereit, unsere Fernoperationen durchzuführen“, hieß es laut „Guardian“ von ukrainischer Seite am Dienstag. Dutzende Lastwagen und Tankwagen seien zerstört worden, die Wracks lägen am Rande der Straße.
Operationen stark ausgeweitet
Die russische Armee nutzt die Halbinsel für Luftangriffe auf ukrainisches Gebiet und zur Versorgung ihrer Einheiten in der Südukraine. Die Krim ist auch ein wichtiges Feriengebiet. Die Angriffe auf die Nachschubwege auf die Krim treffen daher auch das Hotel- und Gaststättengewerbe auf der Krim empfindlich.
Browdi will es Russland so schwer wie möglich machen. „Wir werden Bedingungen schaffen, die es Militärangehörigen und Mitarbeitern der Rüstungsindustrie extrem erschweren, sich auf der Krim, in den vorübergehend besetzten Gebieten aufzuhalten oder die Zugangswege dorthin zu nutzen“, so Browdi zu Reuters.
Drohnenangriff auf ein russisches Patrouillenschiff in Jurkyne auf der Krim
Seit er im vergangenen Juni das Kommando über die ukrainischen Drohnenstreitkräfte übernommen hat, hat Browdi deren Operationen stark ausgeweitet. Die Zahl der Kampfeinsätze mittlerer Reichweite habe sich im Jahresvergleich um das 28-Fache erhöht, während die Angriffe auf russisches Territorium im gleichen Zeitraum um fast das Vierfache gestiegen seien, so der Kommandeur der Drohnenstreitkräfte.
„Weg für entferntere Ziele frei gemacht“
Browdis Drohnenstreitkräfte behaupten, für 30 bis 35 Prozent aller zerstörten russischen Ziele verantwortlich zu sein – obwohl sie nur zwei Prozent der ukrainischen Armee ausmachen.
In den ersten fünf Monaten dieses Jahres hätten die Einheiten 174 russische Luftverteidigungsanlagen im Wert von rund 5,4 Milliarden Dollar (4,7 Mrd. Euro) zerstört, sagte Browdi, und damit den Weg zu weiteren Zielen auch weiter entfernt in Russland frei gemacht. Die Angaben sind allerdings kaum zu überprüfen.
Auch am Freitag war die Krim wieder Schauplatz von Kampfhandlungen. Die ukrainische Armee griff erneut mit ihren Drohnen mehrere Ziele an. Danach wurde am Kraftwerk von Simferopol ein großer Brand beobachtet, wie der proukrainische Telegram-Kanal „Krymskij Weter“ berichtete.
Aufräumarbeiten nach einem Drohnenangriff auf ein Museum in Sewastopol auf der Krim
ISW: Alle Straßen zu Krim unterbrochen
Laut dem US-amerikanischen Institut für Kriegsstudien (ISW) seien in dieser Woche alle drei Straßenverbindungen von der Südukraine auf die Halbinsel unterbrochen worden. Für die Bewohner und Bewohnerinnen der Krim ist Treibstoff mittlerweile auch mit Bezugsscheinen kaum noch zu bekommen. Da von der Krim viele zum Tanken über die Kertsch-Brücke ins anliegende russische Gebiet Krasnodar fahren, kam es auch dort Medienberichten zufolge bereits zu Engpässen bei der Kraftstoffversorgung.
Für Treibstofftransporte per Bahn oder Lastwagen ist die Brücke von Kertsch zu unsicher. Mehrere Fähren, die von Russland zur Krim kursierten, hat die Ukraine ausgeschaltet.
Blogger: Professioneller Feind
Offenbar zollen selbst russische Militäranalysten Browdi Anerkennung. Andrej Medwedew, Blogger und Reporter für russische Staatsmedien, nannte Browdi „einen gefährlichen, überzeugten und professionellen Feind“. Der Betreiber des Telegram-Kanals „Rybar“ attestierte ihm, „die effektivste Formatio…
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