Die politischen und militärischen Ambitionen vieler Länder haben in der Geschichte in einem Missverhältnis zu ihrem wirtschaftlichen Potential gestanden. Der Historiker Paul Kennedy hat vor mehr als 30 Jahren auf die Rolle der wirtschaftlichen Überdehnung für den Niedergang großer Mächte hingewiesen. Kurz nach der Veröffentlichung seiner Arbeit lieferte der Kollaps der Sowjetunion einen weiteren Beleg für seine These.
Länger als der Erste Weltkrieg
Heute mehren sich die Hinweise für eine ernsthafte wirtschaftliche Überdehnung der wirtschaftlichen Ressourcen Russlands , die als eine kurze „militärische Spezialoperation“ angelegt war, nun aber schon länger dauert als der Erste Weltkrieg. Vielleicht mehr als die bemerkenswerten Zahlen, die derzeit auf verschlungenen Wegen aus Russland den Westen erreichen, geben Äußerungen aus nahestehenden Ländern zu denken.
So soll Chinas Präsident Xi Jinping während des Staatsbesuchs des amerikanischen Präsidenten Donald Trump gesagt haben, Wladimir Putin könnte den Krieg bereuen. Noch deutlicher äußerte sich dieser Tage der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko, über viele Jahre der Treueste unter den Treuen des Kremlherrschers, der Putin zu einem Frieden auffordert, weil Russland den Krieg nicht mehr gewinnen könne.
Sanktionen können hilfreich sein
Wenn auch dieser unselige Krieg eines Tages zu Ende sein wird, dürften seine Chronisten nicht nur über seinen Einfluss auf das militärische Denken im Zeitalter der Hochtechnologie nachdenken, sondern auch über die Wirkung von Sanktionen und Blockaden. In den wenigen älteren Lehrbüchern zu diesen Themen galten Sanktionen meist als ein weitgehend unwirksames Mittel. Als allgemeine Aussage wird das vermutlich nicht zu halten sein. Freilich zeigt die Geschichte auch, dass Herrscher auch dann nicht mit Kriegen aufhören, wenn die wirtschaftliche Überforderung ihres Landes offenkundig wird. Daher bilden Nachrichten über eine zunehmende wirtschaftliche Überforderung Russlands eine wohl notwendige, aber noch keine hinreichende Bedingung für einen baldigen Friedensschluss. Dafür müsste Xi vermutlich eine sehr viel deutlichere Sprache gegenüber Putin benutzen.
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