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Besser leben
Kinder profitieren enorm von Hausarbeit – aber wie bringt man sie dazu?
Tisch decken, Müll rausbringen, Staubsaugen: Wenn Kinder zuhause Aufgaben übernehmen, sind sie später erfolgreicher. Was aber, wenn sie verweigern?
Nadja Kupsa
Jüngere Kinder haben meist noch große Freude daran, selbst Dinge zu erledigen. Das sollten Eltern fördern.
Die Szene kennen wohl viele Familien: Während die Eltern die Küche aufräumen, die Wäsche aufhängen oder den Einkauf verräumen, spielen die Kinder im Zimmer oder sitzen vor dem Tablet. Dabei wünschen sich viele, dass es anders wäre. Dass der Nachwuchs mithelfen würde. Woran scheitert dieser Wunsch?
Als Mutter von zwei Söhnen (8 und 5 Jahre) wagt die Autorin einen Erklärungsversuch: Weil es oft schneller geht, die Aufgaben einfach selbst zu erledigen. Der Familienalltag ist meist voll mit To-Dos, da fehlt ganz einfach die Zeit, die Kleinen zu motivieren und sie dann geduldig in der Ausübung der ihnen zugeteilten Aufgaben zu begleiten.
Es ist ja nicht so, als hätte man es nicht mehrmals probiert:
"Könntest du bitte den Tisch decken?"
"Wieso soll ich das jetzt machen? Soll doch er (zeigt auf den kleinen Bruder).
Oder:
"Helft ihr mir beim Wäsche aufhängen? Das ist lustig!"
"Was soll daran lustig sein?"
"Naja, es macht Spaß, wenn man zum Beispiel nach Farben sortiert."
"Wenn es so viel Spaß macht, dann mach es doch selbst."
Zumindest der Fünfjährige hat gelegentlich noch die Motivation, mit Schaufel und Besen ein paar Brösel unter dem Tisch wegzukehren. Backen mag er auch. Und gelegentlich die Blumen gießen. Nur läuft das noch alles unter der Kategorie „Spielen“ für ihn ab. Man ahnt: Sobald er ins schulpflichtige Alter kommt, ist bei ihm auch Schluss.
Ja, es kann auch anders gehen. Nur wie?
Nicht mal das eigene Kinderzimmer wollen die Kinder aufräumen.
Kann es etwa hilfreich sein, ein Belohnungssystem einzuführen? Eine verzweifelte Mutter schrieb dem STANDARD: Hilfe, meine Kinder helfen nicht im Haushalt ." Sie ging sogar so weit, dass sie die beiden Kinder fürs Aufräumen ihrer Kinderzimmer entlohnte.
Familienberaterin Sandra Teml-Wall hält das für unnötig. "Sie brauchen Ihre Kinder für Mitarbeit nicht zu belohnen", sagt sie. "Kinder sind gern Teil einer Gemeinschaft und tragen etwas bei. Sie wollen sich wertvoll fühlen und gleichwertig behandelt werden."
Tatsächlich zeigen Kinder schon sehr früh Interesse daran, bei alltäglichen Aufgaben mitzumachen. Sie wollen den Kochlöffel halten, mit der Schaufel im Garten graben, die Waschmaschine einschalten. "Vielleicht sollten wir uns nicht fragen, wie wir Kinder zum Mithelfen bringen. Sondern was wir tun, damit sie damit aufhören", sagt Teml-Wall.
Belohnungen oder überschwängliches Lob sei nicht hilfreich. "Kinder sind keine Gäste in ihrem eigenen Zuhause." Wichtiger ist, ihnen etwas zuzutrauen.
Erfolgreiche Erwachsene
Dass sich die Mithilfe im Haushalt langfristig auszahlt, legen auch wissenschaftliche Untersuchungen nahe. Sowohl die über Jahrzehnte laufende Grant Study der Harvard Medical School als auch Forschungen der Universität Minnesota zeigen einen Zusammenhang zwischen regelmäßigen Haushaltsaufgaben in der Kindheit und positiven Entwicklungen im Erwachsenenalter.
Kinder, die früh Verantwortung übernehmen, verfügen später häufig über ein besseres Zeitmanagement, zeigen mehr soziale Kompetenz und kommen mit den Anforderungen von Ausbildung und Beruf oft leichter zurecht.
Durch die aktive Beteiligung am Familienalltag lernen sie außerdem, dass eine Gemeinschaft nur funktioniert, wenn alle ihren Beitrag leisten. Das stärkt Empathie, Verantwortungsgefühl und die Fähigkeit, Rücksicht auf andere zu nehmen. Der Entwicklungspsychologe Marty Rossmann sieht darin einen wichtigen Grund dafür, dass engagierte Kinder als junge Erwachsene häufiger erfolgreich ihren Weg gehen.
Aufgaben verteilen
Doch wie gelingt der Einstieg konkret? Teml-Wall empfiehlt, Verantwortung nicht einfach von oben herab zu verteilen, sondern gemeinsam darüber zu sprechen. "Setzen Sie sich als Familie zusammen und philosophieren Sie über Verantwortungen", rät sie. Dabei kann auch hinterfragt werden, wie die Aufgaben bislang verteilt sind. Wer trägt die Verantwortung für den Müll? Wer kümmert sich um die Wäsche? Wer räumt den Geschirrspüler aus?
Entscheidend sei, dass Aufgaben tatsächlich übergeben werden. "Wer kann welche Aufgabe übernehmen? Die gehört dann tatsächlich dem Kind, man hat sie ja jemandem anvertraut und muss sie deshalb nicht mehr auf dem Schirm haben", sagt Teml-Wall. Kinder übernehmen dadurch nicht nur einzelne Handgriffe, sondern lernen, Verantwortung für einen gesamten Bereich zu tragen.
Hilfreich ist es, die Vereinbarungen schriftlich festzuhalten. So entsteht Klarheit für alle Familienmitglieder. Nach etwa zwei Wochen sollte die Familie erneut zusammenkommen und besprechen, was gut funktioniert hat und wo Anpassungen notwendig sind. Wichtig sei dabei…
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