Salzburger Festspiele
Karin Bergmann zu Causa Hinterhäuser: "Bei einigen gelte ich deshalb als Verräterin"
Stein des Anstoßes und letztlich Nutznießerin des Abgangs von Markus Hinterhäuser? Im Gespräch erklärt die neue Salzburg-Intendantin, wie es zu ihrer erstaunlichen Kür kam
Interview
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Stefan Weiss
Hinter ihrer Bestellung zur interimistischen Salzburg-Intendantin sei kein Masterplan gestanden, sagt Karin Bergmann. Auch sie hätten die Wendungen erstaunt.
Am Ende ist sie nun gar Salzburgs erste weibliche Intendantin geworden. Dabei hätte Karin Bergmann, jahrelang Burgtheater-Chefin und zuletzt bei den Salzkammergut Festwochen Gmunden aktiv, eigentlich zunächst nur die Schauspielsparte übernehmen sollen. So zumindest hätte es Intendant Markus Hinterhäuser gewollt – bis dessen eigener Stern zu sinken begann.
Nach monatelangem Hin und Her zwischen Festspielleitung und Politik musste dieser Ende März den Hut nehmen, offiziell einvernehmlich, hinter den Kulissen aber flogen die Fetzen. Hinterhäuser wurde vorgehalten, dass er Bergmann ohne Bewerbung habe an Bord holen wollen, die wahren Gründe für dessen Abgang dürften aber in cholerischen Umgangsformen mit Mitarbeitenden gelegen sein. Karin Bergmann erklärt die bühnenreifen Hergänge nun aus ihrer Sicht.
STANDARD: Wie ist es denn um Ihre Freundschaft mit Markus Hinterhäuser aktuell bestellt?
Bergmann: Eine enge Freundschaft gab es nie. Mit dem Wort gehe ich sehr vorsichtig um. Markus Hinterhäuser hat mich einmal öffentlich als "eine liebe Freundin" bezeichnet, weil wir uns seit vielen Jahren kennen, es ging aber nie über ein kollegiales Verhältnis hinaus. Der Kontakt wurde erst häufiger, als es um die Bestellung der Schauspielleitung ging.
STANDARD: Er hatte Sie eigentlich für diesen Posten engagieren wollen, letztlich wurde er selbst durch Sie ersetzt, und begründet wurde das obendrein mit dem nicht ganz regelkonformen Bestellungsvorgang rund um Sie. Das sind doch Shakespeare'sche Wendungen, die auch Sie erstaunen müssen, oder?
Bergmann: Absolut. Als Markus Hinterhäuser mich kontaktiert hat, war noch gar keine Rede davon, dass es in ein Engagement münden könnte. Er hatte sich mit mir bezüglich des Schauspielprogramms beraten wollen. Dann meinte er irgendwann, er hätte gerne, dass ich die Schauspielleitung übernehme. Wegen meines Alters habe ich zunächst noch gezögert, hätte es dann aber gemacht. Und ich habe gesagt, dass es für mich kein Problem wäre, zu einem Gespräch nach Salzburg zu kommen. Er meinte aber, nein, das sei gar nicht erforderlich.
STANDARD: Warum wollten Sie sich nicht offiziell bewerben? Man hört öfter, Intendanten bewerben sich nicht, sie wollen gefragt werden.
Bergmann: Also bei mir ging es um etwas anderes. Ich werde demnächst 73 Jahre alt. Meine Arbeit ist allseits gut bekannt, es wäre mir absurd vorgekommen, nach 20 Jahren in leitenden Positionen eine Bewerbung für einen Job einzureichen, nachdem ich gefragt wurde, ob ich ihn übernehme.
"Es wäre mir absurd vorgekommen, nach 20 Jahren in leitenden Positionen eine Bewerbung für einen Job einzureichen, nachdem ich gefragt wurde."
STANDARD: Und als Hinterhäusers Abgang dann vollzogen war, hat man Sie gebeten, gleich den Intendantinnenjob zu übernehmen. Da wurden Sie dann von Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP) direkt gefragt?
Bergmann: Bestellt wurde ich vom Kuratorium. Aber ja, Frau Edtstadler scheut sich nicht, direkt zum Hörer zu greifen.
STANDARD: Die wahren Gründe für die Ablöse waren offenbar die vielen Vorwürfe zum cholerischen Umgangston Hinterhäusers. Offiziell wurde dazu aber dann gar nichts verlautbart. Sie haben Kritik am ausgebreiteten "Mantel des Schweigens" geäußert. Welche Aufklärung vermissen Sie?
Bergmann: Ich hätte es richtiger gefunden, wenn vonseiten des Kuratoriums eine konkrete Begründung genannt worden wäre. Das wäre vielleicht unangenehm gewesen, aber nur so kann auf konkret benannte Vorwürfe reagiert werden. Man hätte mit offenen Karten gespielt. So aber entstand der Eindruck, es sei alles eine Sauerei, aber niemand weiß genau, welche eigentlich. Bei einigen gelte ich deshalb als Verräterin. Dahinter steht aber kein von mir langgehegter Masterplan, wie manche behaupten. Das zeigt schon allein die Tatsache, dass ich die Intendanz nur für zwei interimistische Jahre übernehmen will.
STANDARD: Es wurde ja eine einvernehmliche Trennung. Wollten beide Seiten, das Festspiele-Kuratorium und Hinterhäuser, einen Rechtsstreit vermeiden?
Bergmann: Das vermute ich.
STANDARD: Diese Woche lief nun die Bewerbungsfrist für die Intendanz nach Ihren zwei Interimsjahren aus: 17 Männer und vier Frauen haben sich beworben. Würden Sie für eine Frau plädieren?
Bergmann: Als ich jünger war, war ich gegen Frauenquoten, weil ich der Meinung war, die Dinge würden sich auch so mit der Zeit angleichen. Dem ist leider nicht so, also bin ich heute eine Befürworterin der Quote. Dennoch würde ich sagen, der oder die Bes…
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