Olivia Rodrigo
Weniger Herzschmerz, mehr Liebesglück – so hat der ursprüngliche Plan für das dritte Studioalbum von US-Superstar Olivia Rodrigo gelautet. Doch wie die Sängerin Ende Mai der „New York Times“ sagte, entwickelte sich ihr Privatleben anders als geplant und damit offenbar auch ihr am Freitag erscheinendes Album „You Seem Pretty Sad For a Girl in Love“. Für Diskussionen sorgt derzeit auch ihr „Babydoll“-Look bei öffentlichen Auftritten: Kritiker werfen Rodrigo vor, damit ein Frauenbild zu bedienen, das Weiblichkeit zugleich kindlich und sexualisiert darstellt.
12. Juni 2026, 17.09 Uhr
Ob frisch verliebt, gerade getrennt oder irgendetwas dazwischen: Wer aktuell auf der Suche nach einem Soundtrack für das eigene Liebesleben ist, wird bei Rodrigos neuem Werk wohl fündig werden. Die 23-jährige US-Amerikanerin mit philippinischen Wurzeln arbeitet darin ihre eigene, kürzlich zu Ende gegangene Liebesbeziehung chronologisch auf.
Die ersten autobiografischen Hinweise finden sich bereits in der ersten Single „Drop Dead“. Das dazugehörige Video spielt im Schloss Versailles nahe Paris, einst Residenz des französischen Königs Ludwig XIV. Dass Rodrigos Ex-Freund Louis Partridge denselben Vornamen wie der ehemalige französische Herrscher trägt, interpretierten viele Fans als ersten Hinweis auf den britischen Schauspieler.
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Rodrigo verfolgt damit eine Strategie, die an Megastar Taylor Swift erinnert. Swift gilt als Meisterin des autobiografischen Songwritings, ihre Texte werden von treuen Fans akribisch analysiert – in der Hoffnung, mehr oder weniger versteckte Hinweise auf ihr Liebesleben zu entdecken.
Über Nacht zum Weltstar
Bei Rodrigo begannen die Spekulationen bereits bei ihrem ersten Welthit „Drivers License“, mit dem sie 2021 über Nacht zum Superstar wurde. Darin betrauert sie eine beendete Beziehung und singt über ein „blonde girl, who always made me doubt“.
Viele Fans interpretierten die Zeile als Anspielung auf die Popsängerin Sabrina Carpenter. Diese soll Gerüchten zufolge mit einem weiteren Ex-Freund von Rodrigo, dem US-Schauspieler Joshua Bassent, liiert gewesen sein, kurz nachdem dessen Beziehung mit Rodrigo gescheitert war.
Mit „Drivers License“ traf Rodrigo jedenfalls einen Nerv, die Single lag acht Wochen auf Platz eins der US 100 Billboard Charts und war 2021 der meistgestreamte Song auf Spotify. Die „Los Angeles Times“ bezeichnete ihr Debütalbum „Sour“ als „makellosen Gen-Z Pop“, das Nachfolgealbum „Guts“ wurde vom renommierten „Rolling Stone Magazine“ als „Geniestreich“ beschrieben.
„Coming-of-Age-Soundtrack“
Das Geheimnis ihres Erfolges sei ihre Authentizität, erklärte FM4-Popmusikredakteur Christoph Sepin im Gespräch mit ORF.at. Dass Rodrigo ihre Idole wie Lily Allen und Gwen Stefani offen bewundere und sogar gemeinsam mit ihnen auf der Bühne stehe, würde vermitteln, dass sie nicht nur berühmt werden wolle, sondern das Songwriting „wirklich liebe“, so Sepin.
Ihren Stil beschreibt der Musikexperte als „Coming-of-Age-Soundtrack“, der die Widersprüche der Jugend zwischen Herzschmerz, Wut und Euphorie einfängt. Die vorab veröffentlichten Songs aus dem neuen Album, „Drop Dead“ und „The Cure“, bezeichnete er als „ganz hohe Popkunst“, Rodrigo sei derzeit „eine der Besten“ in ihrem Genre.
TikTok-Tauglichkeit als Erfolgsrezept
Zum rasanten Aufstieg Rodrigos trug auch die Kurzvideoplattform TikTok bei. „Drivers License“ hat 2021 auf TikTok einen Hype ausgelöst und wurde von Millionen Userinnen und Usern für eigene Videos verwendet. Rodrigo räumte selbst ein, beim Schreiben des Songs bewusst Elemente eingebaut zu haben, die sich für TikTok eignen.
Dieses Konzept verfolgt sie augenscheinlich auch bei ihrem neuen Album, so wird etwa der Refrain von „Drop Dead“ von zahlreichen TikTok-Userinnen und -Usern genutzt, um persönliche Liebesgeschichten zu untermalen.
Kontroverse über „Babydoll“
Hohe Wellen hat das Video zu „Drop Dead“ geschlagen, in dem Rodrigo in einem pink-blauen Rüschenkleid zu sehen ist. Anfang Mai kombinierte sie bei einem Auftritt in Barcelona ein pink-weißes Babydoll mit kniehohen Stiefeln.
Für viele Fans steht der Look als Symbol für das Popkulturphänomen „Girlhood“: eine Art ästhetisierte Inszenierung des Mädchenseins, die sich durch nostalgische, verspielte und hyperfeminine Bildwelten ausdrückt und zugleich Emotionalität und Selbstfindung symbolisiert. Kritikerinnen und Kritiker warfen Rodrigo dagegen vor, ein Frauenbild zu bedienen, das Weiblichkeit bewusst kindlich, dabei aber gleichzeitig sexy inszeniert.
Den Vorwurf, sie würde sich gleichzeitig kindlich und sexy inszenieren, bezeichnete Rodrigo in einem Interview als „verstörend“
Sie habe sich in dem Babydoll nicht „sexy“ gefühlt, sondern einen Look ähnlich dem der 90er-Rock-Ikonen Kathleen Hannah und Courtney Love angestrebt, verteidigte sich Rodrigo gegenüber der „NYT“. Die Musikwissenschaftlerin Penelope Braune von der Humboldt-Universität in Berlin sprach gegenüber der dpa von einer Kultur, di…
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