Väterbeteiligung
Am seltensten gehen Väter im Burgenland in Karenz, am häufigsten in Wien. Und im Gegensatz zu den Müttern bevorzugen Männer die Badesaison
13. Juni 2026, 06:00
Das Recht auf Väterkarenz gibt es seit Jahrzehnten, genützt wird es längst nicht von allen Vätern.
In Österreich gingen Männer schon mal öfter in Karenz. Im Jahr 2017 bezogen immerhin 20,4 Prozent der Väter mindestens einen Monat Kinderbetreuungsgeld. Mit der Corona-Pandemie gingen die Zahlen zurück: auf 17,7 Prozent im Jahr 2020 und auf 16,6 Prozent 2021. Das war der vorläufige Tiefpunkt der Väterbeteiligung bei den Elternkarenzen.
Der Wiedereinstiegsmonitor der Arbeiterkammer (AK ) zeigt nun die neuesten Zahlen. 2023 gab es mit 18,8 Prozent wieder einen leichten Anstieg. Laut einer Aussendung des gewerkschaftsnahen Momentum-Instituts zeige dies deutlich, dass ein "Recht am Papier" nicht reicht, um Rollenbilder und die Arbeitswelt zu verändern, betont Sophie Achleitner.
Immer noch Muttersache
Väter haben in Österreich seit den 1990er-Jahren das Recht, in Karenz zu gehen. Genützt wird dieses Recht, wenn überhaupt, aber nur für sehr kurze Zeit. Nur 0,9 Prozent der Väter gehen länger als sechs Monate in Karenz, ein Zeitrahmen, der wiederum für Mütter meist als Minimum gilt. "In der Praxis ist Karenz in Österreich immer noch Muttersache", sagt die Volkswirtin und Gleichstellungsexpertin Achtleitner.
Große Differenzen bei den Väterkarenzen zeigt der Blick auf die unterschiedlichen Zahlen in den Bundesländern. Am häufigsten beziehen in Wien Väter mit 24,5 Prozent mindestens einen Monat lang Kinderbetreuungsgeld. Im Burgenland sind es nur knapp elf Prozent. Bescheiden sind auch die Zahlen in Kärnten (12,5 Prozent) und Tirol (12,9 Prozent).
Klare Unterschiede zeigen sich auch bei den Jahreszeiten, die Väter für ihre Karenz auswählen. Das Momentum-Institut spricht hier von einem "Sommermuster" bei den Vätern: Von 2008 bis 2025 waren in den Monaten Juni, Juli und August durchschnittlich 3450 Väter in Karenz. Der Durchschnitt in den übrigen Monaten – also Mai bis September – lag bei 2800 Vätern in Karenz.
Ein Muster, das bei Frauen nicht zu beobachten ist, im Gegenteil: Die Zahl der Mütter in Karenz ist in den Sommermonaten etwas niedriger. In diesen waren durchschnittlich 73.560 Mütter in Karenz, in den restlichen Monaten des Jahres waren es 74.700 Mütter.
Das Momentum Institut schlägt neben Anreizen, durch die Väterkarenz in Unternehmen etwa selbstverständlicher werden sollen, auch verbindliche Maßnahmen vor, etwa eine verpflichtende Väterkarenz. "Wer Gleichstellung will, muss Väterkarenzen aus der Ausnahmeecke holen", sagt Sophie Achleitner. (red, 13.6.2026)
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