EU-Drogenbericht
Laut dem Europäischen Drogenbericht 2026 tauchen aktuell ständig neue illegale Substanzen auf. Es handle sich meist um modifizierte bekannte Drogen, deren Wirkung und gesundheitliche Folgen nur schwer einschätzbar seien, hieß es am Dienstag. Mittlerweile befinden sich über 1.000 Substanzen auf der Liste der European Union Drugs Agency (EUDA). Praktische jede Woche komme eine neue dazu.
9. Juni 2026, 17.06 Uhr
In ihrem am Dienstag veröffentlichten jährlichen Bericht warnt die EUDA generell vor einem zunehmenden Gesundheitsrisiko durch ein wachsendes Spektrum an illegalen Substanzen. „Kontinuierlich“ werde das Angebot an neuen Cannabisprodukten, Opioiden und Aufputschmitteln auf dem Schwarzmarkt breiter.
Im Jahr 2025 wurden laut EUDA in Europa erstmalig 50 neue psychoaktive Substanzen (NPS) – rund eine pro Woche – gemeldet, womit die Gesamtzahl der von der Behörde registrierten illegalen Suchtmittel auf insgesamt 1.050 stieg. Unter diesen befänden sich hochwirksame neue synthetische Opioide, die mit einem erhöhten Risiko für lebensbedrohliche Vergiftungen einhergingen.
Nur mutmaßlich „harmlos“
Auch mutmaßlich „harmlose“ seien darunter gewesen. Es wurden etwa von den Sicherheitsbehörden E-Zigaretten beschlagnahmt, die beispielsweise synthetische und halbsynthetische Formen von Cannabis enthielten. Diese könnten auch als Träger für andere schädliche Substanzen dienen, darunter möglicherweise neue synthetische Opioide, so die EU-Behörde in ihrem Bericht unter der dem Titel „European Drug Report 2026: Trends and Developments“.
Die Verfügbarkeit illegaler Drogen in Europa sei „nach wie vor hoch“, heißt es darin einleitend. Auf dem Schwarzmarkt seien zahlreiche Substanzen im Umlauf, die oft eine große Wirksamkeit oder Reinheit aufwiesen, was die Folgen des Konsums schwer einschätzbar macht – sowohl seitens der Konsumenten und Konsumentinnen als auch seitens der Wissenschaft.
Risiken steigen
Die Risiken von Vergiftungen und Todesfällen stiegen, insbesondere durch neue Substanzen, die in Drogenmischungen enthalten seien und von denen Konsumenten nicht wüssten, so die EUDA. Das gelte vor allem beim gleichzeitigen Konsum mehrerer Drogen. Innerhalb eines Jahres gab es in Europa mindestens 7.600 Tote durch Überdosierung, berichtete der EU-Kommissar für Inneres, Magnus Brunner.
„Wir müssen alles daransetzen, um zu verhindern, dass gefährliche neue Produkte den Markt überschwemmen, und mit aller Härte des Gesetzes gegen illegale Händler vorgehen, um ihnen ihr Geschäftsmodell zu nehmen“, so Brunner. „Die Drogenmärkte entwickeln sich rasant weiter, und die Vielfalt der Substanzen auf den Straßen Europas wird immer unvorhersehbarer. Das birgt die Gefahr, dass Menschen hochwirksame Drogen einnehmen, oft ohne sie zu kennen“, wurde EUDA-Exekutivdirektorin Lorraine Nolan in einer Aussendung zu dem Bericht zitiert.
Cannabis nach wie vor häufigste Droge
Die am häufigsten in Europa konsumierte Droge ist laut dem EUDA-Bericht nach wie vor Cannabis. Zu den Zahlen gibt es nur Schätzungen, denen zufolge im vergangenen Jahr 24,9 Millionen Europäerinnen und Europäer im Alter von 15 bis 64 Jahren die Substanz konsumierten. Oft in der Wirkung unterschätzt, seien Cannabisprodukte auch für Notaufnahmen in Krankenhäusern verantwortlich gewesen. Die Behörde warnte in diesem Zusammenhang etwa vor essbaren Produkten, die gleichfalls einen schwer einschätzbaren Wirkungsgrad haben.
Knapp 25 Millionen Europäer konsumieren laut Schätzungen Cannabis
Gefährliche synthetische Opioide
Opioide, zumeist in Kombination mit anderen Substanzen, sind nach wie vor die häufigste Ursache drogenbedingter Todesfälle in Europa. Auch bei diesen sind laut EUDA neue synthetische Produkte Anlass zur Sorge. Seit 2009 wurden in Europa 95 davon nachgewiesen, darunter Nitazene und Orphine. Bei beiden Stoffklassen handelt es sich um hochwirksame künstliche Opioide mit einem großen Überdosierungs- und folglich hohen Sterberisiko.
Auch gefälschte Arzneimittel, die Nitazene enthalten, sowie Nachahmungen von legalen verschreibungspflichtigen Medikamenten wie Oxycodon und Diazepam (früher Valium), beides hochwirksame Schmerz- bzw. Beruhigungsmittel, werden zunehmend gemeldet. In Bulgarien war laut dem Bericht das Medikament Fentanyl, gleichfalls ein synthetisches Opioid und starkes Schmerzmittel mit hohem Suchtpotenzial, für mehr als 100 drogenbedingte Todesfälle (mit-)verantwortlich, die 2024 und 2025 gemeldet wurden. In den USA hat sich der Konsum in den letzten 20 Jahren zu einer richtigen Epidemie entwickelt.
Kokain und Ketamin
Auch der Konsum von Kokain in ganz Europa ist nach wie vor hoch. Etwa 4,3 Millionen Europäerinnen und Europäer haben die Droge – wiederum nach Schätzungen – im vergangenen Jahr konsumiert. Potenziell zunehmend Probleme mache auch die aus Kokainsalz und Natron (Natriumhydrogencarbonat) hergestellte Droge Crack, so die EUDA. Crack ist innerhalb von Sekunden wirksam und hat unter allen Drogen eines der höchsten Suchtpotenziale. Die…
Read the full article at ORF News →