Ein Vierteljahrhundert lang war der Frankfurt-Marathon der Lauf von Jo Schindler. Gerne wurde das Großereignis als Baby des Regensburger Laufmanagers bezeichnet, und die Stadt Frankfurt war dankbar, dass das Kleinkind schnell reifte. Der älteste deutsche Stadtmarathon ist in der Ägide von Schindler nach Ansicht der meisten Akteure eine Erfolgsgeschichte. Dessen in Frankfurt ansässige Agentur Motion Events ist mittlerweile auch durch weitere Laufevents in der Region verankert.
Andreas Bechmann, Zehnkämpfer von internationaler Klasse, im Sportkreis Frankfurt engagierter Sportfunktionär und Jungunternehmer, stellt diesen Status quo infrage. Er hat gemeinsam mit Fabian Brügmann die Frankfurter Sportagentur gegründet, sich anschießend um die Ausrichtung beworben und damit eine Tür geöffnet für die Gesetze des Marktes. Schnell hat sich mit dem französischen Großveranstalter Amaury Sport Organisation ein dritter Interessent gefunden.
Schindler hat den Markt zuvor auch selbst genutzt: Er hat, was sein gutes Recht ist, seine Agentur Motion Events an die London Marathon Investments verkauft. Die in den Niederlanden registrierte London Marathon Investments kümmert sich vor allem darum, den britischen Laufsport aus den Überschüssen der Organisation von Laufevents zu fördern.
Politische Entscheidung mit Tragweite
Konkurrent Bechmann will nicht so einfach akzeptieren, dass der Marathon im erwachsenen Alter in die Obhut von Adoptiveltern aus Großbritannien übergeben werden soll. Er hat ein lokales Netz an Unterstützern rund um den Sportkreis und seinen Stammverein Eintracht Frankfurt aufgebaut und wirbt unter anderem damit, zehn Prozent der Gewinne in den Frankfurter Sport stecken zu wollen. Er sieht die Stadt in der Pflicht, sich für ein lokal ausgerichtetes Angebot zu entscheiden. Er ist ungeduldig und will mit gutem Recht nicht akzeptieren, dass die Stadt bis 2028 am Status quo festhalten will.
Für die Stadt Frankfurt bietet die Situation zwei Chancen: Zum einen belebt Konkurrenz das Geschäft und kann Impulse geben für eine Fortentwicklung des Marathons. Zum anderen ist die Vorbereitung einer erst für Herbst 2027 geplanten Ausschreibung eine Gelegenheit, die Sinne zu schärfen für die Wirklichkeit des Sportbusiness. Wie viel Markt verträgt ein Sportereignis wie ein Stadtmarathon, der sich aufgrund der Rahmenkosten für die Sperrung einer gesamten Innenstadt selbstredend nicht aus eigener Kraft tragen kann? Zugleich steht die Frage im Raum: Wie viel Förderung durch Steuergeld ist statthaft für Profisport, bei dem zumindest einzelne Akteure auf und neben dem Spielfeld gutes Geld verdienen? Es gilt, gut abzuwägen und politische Entscheidungen durchdacht zu treffen.
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