Klimafinanzierung
Feindbild und Hoffnungsträger: Können Reiche das Klima retten?
Eine Billion US-Dollar fehlt den armen Ländern jährlich, damit sie die Klimakrise bewältigen können. Wie bringt man Vermögende dazu, diese riesige Lücke zu stopfen?
Benedikt Narodoslawsky
Im August 2007 nahm ein 36-Jähriger vor US-Senatorinnen und Senatoren des Ausschusses für Umwelt und öffentliche Arbeiten Platz. Der Mann sprach über die Chancen für die Wirtschaft, die in der Nachhaltigkeit schlummern, und illustrierte das anhand seiner beiden Firmen, "die darauf konzentriert sind, den Klimawandel zu bekämpfen". Die eine – sie heißt SolarCity – bringe saubere Energie in amerikanische Häuser und Unternehmen. Die andere wolle den Beweis führen, dass Berichte "über den Tod des Elektroautos stark übertrieben" seien. Sie heißt Tesla.
Die Kunstinstallation "Beeple. Regular Animals" in der Neuen Nationalgalerie in Berlin setzt Köpfe von Superreichen auf vierbeinige Roboter und will damit eine "gesellschaftspolitische Allegorie auf zeitgenössische Machtstrukturen" schaffen
Zwei Jahrzehnte später boomt der Verkauf von E-Autos und Tesla-Chef Elon Musk ist seit vergangener Woche der erste Dollar-Billionär der Geschichte. Durch den Börsengang seines Unternehmens SpaceX besitzt er laut dem US-Magazin Forbes ein Vermögen von mittlerweile 1,3 Billionen US-Dollar (1,12 Billionen Euro). Genau so viel Geld haben die Entwicklungsstaaten pro Jahr gefordert, damit sie sich an den Klimawandel anpassen und ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten können.
300 Milliarden US-Dollar
Die Frage, wer wie viel zur Rettung der Welt beitragen muss, ist ein Dauerbrenner in der Klimadiplomatie. Auch bei den zweiwöchigen internationalen Verhandlungen im deutschen Bonn, die diesen Donnerstag endeten, ging es wieder ums Geld. Auf der Weltklimakonferenz (COP) in Aserbaidschans Hauptstadt Baku wurde vor knapp zwei Jahren bereits ein großer Pflock eingeschlagen: Die Industriestaaten verpflichteten sich bis 2035, jährlich zumindest 300 Milliarden Dollar aufzutreiben, um die Entwicklungsländer im Kampf gegen die Klimakrise zu unterstützen. Zusätzlich erarbeiteten die COP-Präsidentschaften von Aserbaidschan und Brasilien (wo die COP 2025 stattfand) einen Plan , mit dem die klaffende Finanzierungslücke von einer Billion geschlossen werden soll.
Um die "jährlich 1,3 Billionen US-Dollar an externen Finanzmitteln für Entwicklungsländer zu mobilisieren, sind erhebliche Anstrengungen seitens der traditionellen Quellen der Klimafinanzierung sowie die Erschließung neuer und innovativer Kapitalquellen erforderlich", heißt es darin. Einen bedeutenden Beitrag solle demnach der private Sektor leisten. Mitgemeint sind dabei Spenden von Philanthropinnen und Philanthropen.
Das größte Klimaversprechen
Einige Superreiche haben ihren Geldspeicher bereits geöffnet. Amazon-Gründer Jeff Bezos etwa. Auf der weltweiten Superreichen-Liste von Forbes steht er mit 256 Milliarden US-Dollar derzeit auf Platz vier. Im Jahr 2020 rief Bezos seinen "Earth Fund" ins Leben. Zehn Milliarden US-Dollar will dieser bis zum Jahr 2030 für die Rettung der Welt ausgeben. Es ist das bislang größte Versprechen, das ein Philanthrop im Kampf gegen die Klimakrise gegeben hat.
Doch mittlerweile hat sich der politische Wind in seinem Heimatland gedreht. Bei Donald Trumps Angelobungsfeier Anfang 2025 saß Bezos mit anderen Superreichen in der Reihe direkt hinter der Familie des Präsidenten. Trump ist ein Klimaleugner, entgegen dem wissenschaftlichen Konsens bezeichnete er den Klimawandel vor der UN-Generalversammlung als "größten Betrug aller Zeiten" und kündigte auch in seiner zweiten Amtszeit den Pariser Klimavertrag auf.
Trump-Effekt?
Nur einen Monat nach Trumps Amtsübernahme berichtete die Financial Times , Bezos habe die Zahlungen an eine wichtige Klimainitiative gestoppt. Diesen Mai vermeldete die Nachrichtenagentur Bloomberg , Bezos' "Earth Fund" sei seinem Versprechen bei weitem noch nicht nachgekommen. Von den zugesagten Mitteln seien bisher nur 28 Prozent geflossen.
Dass das Interesse der Superreichen an der Klimakrise schwindet, lässt sich auch an einem Aufruf von Microsoft-Gründer Bill Gates festmachen. Vor der Weltklimakonferenz 2025 im brasilianischen Belém schrieb der Philanthrop , die Bekämpfung des Klimawandels bleibe zwar wichtig, sollte aber nicht mehr die größte Priorität einnehmen.
Doch kann die Rettung der Welt ohne die Vermögenden überhaupt gelingen?
Jeff Bezos (Mitte) bekam neben anderen Superreichen einen Ehrenplatz bei Donald Trumps Angelobung zum US-Präsidenten
"Es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass reiche Menschen einen sehr großen Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise leisten werden müssen", sagt Klimaökonom Thomas Schinko, der am Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg die Forschungsgruppe "Gerechtigkeit und Fairness" leitet. "Wir haben einen massiven Finanzierungsbedarf. Ohne privates K…
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