Ungarn
Nach Wahl-Debakel bleibt Orbán Fidesz-Obmann und denkt nicht daran, sich zu ändern
Auf einem Parteitag der nunmehr oppositionellen Fidesz-Partei stimmten am Wochenende alle Delegierten für den früheren ungarischen Premier
Der Vorsitzende der Fidesz-Partei und ehemalige Ministerpräsident Viktor Orbán (rechts) spricht am Samstag mit der Presse. Orbán war der einzige Kandidat für das Amt des Parteivorsitzenden.
Gut zwei Monate nach der krachenden Niederlage bei der Parlamentswahl am 12. April hat Ungarns rechtspopulistische Fidesz-Partei bei einem Parteitag versucht, mit den Realitäten klarzukommen. Die Veranstaltung am Samstag bestätigte den abgewählten Ministerpräsidenten Viktor Orbán für ein weiteres Jahr im Amt des Parteiobmanns. Es gab keinen Gegenkandidaten, 729 von 737 Delegierten sprachen Orbán das Vertrauen aus.
Der heute 63-jährige Mitbegründer der damals liberalen Jungendpartei Bund Junger Demokraten – wofür die Abkürzung FIDESZ steht – ist seit 33 Jahren praktisch Alleinherrscher über diese Partei. Über denselben Zeitraum hindurch ist er, abgesehen von einer eher taktischen Unterbrechung von 2000 bis 2003, ihr Obmann. Stets gab er den Kurs vor, der von liberal über rechts-liberal und konservativ nach Rechts-Außen führte. 20 Jahre lang war Orbán an der Spitze von Fidesz-geführten (1998 bis 2002) oder reinen Fidesz-Regierungen (2010-2026) Ministerpräsident.
Weiter wie bisher
Mit der April-Wahl erlebte Ungarn eine Zeitenwende, manche sagen sogar, eine Revolution. Der ehemalige Fidesz-Funktionär Péter Magyar brach im Februar 2024 spektakulär mit dem Orbánismus, baute eine eigene, bürgerlich-pragmatische und weltoffene Bewegung auf, die Tisza (die Abkürzung steht für Respekt und Freiheit und bezeichnet zugleich den Fluss Theiß), und fuhr bei der Wahl am 12. April einen Erdrutschsieg ein. Jetzt hat Tisza die Zweidrittelmehrheit, mit der sie nach Belieben in die Verfassung eingreifen könnte.
Die Fidesz-Fraktion im neuen Parlament ist wiederum auf gerade mal 52 Abgeordnete geschrumpft. In seiner Parteitagsrede sagte Orbán: "Für die Wahlniederlage übernehme ich die Verantwortung." In einer Vorstandssitzung unmittelbar nach der Wahl habe er sogar seinen Rücktritt als Obmann angeboten, das Gremium habe das aber abgelehnt. Insidern zufolge wurde aber darüber gar nicht abgestimmt. Tatsächlich kritisierte in der Folge keiner der Delegierten Orbán offen. Viele sprachen sich ausdrücklich für sein Weitermachen aus, nur unter seiner Führung könne sich die Partei erneuern. Viel wurde darüber lamentiert, wie "Brüssel" (die EU-Spitze) Magyar gepusht hätte, wie die "ausländischen Algorithmen" in den Sozialen Medien Fidesz benachteiligt und Tisza bevorteilt hätten.
Lediglich der Parlamentsabgeordnete Balázs Hidveghi ging mit den Wahlkampf- und Kommunikationsstäben des FIDESZ hart ins Gericht. "Unser Realitätsgefühl hat sich abgenutzt, sowohl in Stil als auch Inhalten gerieten wir weit unter unser Niveau und entfernten uns von der Stimmung des Bürgertums", sagte er. Aber auch er sprach Orbans Verantwortung nicht an.
Keine Lust auf Veränderung
Dieser hatte mit dem schusseligen Politologen Balázs Orbán (nicht mit ihm verwandt) einen schwachen Wahlkampfleiter ernannt und letztlich selbst die operative Kontrolle über Inhalte und Botschaften übernommen. Die Hasskampagnen gegen die von Russland angegriffene Ukraine und ihren Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, das absurde Schüren einer Kriegspsychose („Péter Magyar wird eure Männer und Söhne in den Ukraine-Krieg schicken“) verfingen bei einer klaren Mehrheit der Wähler nicht.
In der Rede nach seiner Bestätigung als Parteiobmann versprach Orbán:“Ihr sollt wissen: Ich habe nicht die geringste Lust, mich zu ändern. Ich vollziehe weder eine halbe noch eine 180-Grad-Wende.“ Nach jahrzehntelanger Orbánscher Alleinherrschaft über die Partei hat FIDESZ offenbar kein Potenzial für eine Erneuerung ohne Orbán. Mit einem solchen Orbán scheint aber eine Erneuerung nicht möglich. Die Gesellschaftswissenschaftlerin Eszter Galgóczi vom Institut Forrás (Quelle) meinte zum Nachrichtenportal 24.hu , dass sich die Frage nach Orbáns Führungsrolle früher oder später stellen werde. Bei diesem Parteitag und in der gegebenen Situation habe sich schlicht niemand als Herausforderer exponieren wollen. Doch, fügte sie hinzu: "Der gegenwärtige Kurs des FIDESZ ist ein Lehrbuchbeispiel fürs Scheitern." (Gregor Mayer aus Budapest, 14.6.2026)
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5 reports
ORF NewsState / PublicCenter2 days ago EU extends Russia sanctions for the first time by 12 monthsThe European Union has extended its economic sanctions against Russia for the first time by twelve months rather than six. This decision was made during the June summit in Brussels by EU member state heads of government. Previously, Hungary's then-Prime Minister Viktor Orbán had blocked a one-year extension. The new Hungarian Prime Minister Peter Magyar is seen as more critical of Russia than his predecessor, who maintained close ties with Russian President Vladimir Putin. The sanctions include restrictions on trade, finance, energy, industry, transportation, and luxury goods. Additionally, a禁
Bias read (Center): The article presents factual information about the EU extending sanctions against Russia without overtly favoring any side. It includes context about Hungary's previous stance and the current government's position but does not use loaded language or selectively present sources.
Official sources cited
- government EU-Ratspräsident Antonio Costa
ORF NewsState / PublicCenter6 days ago Hungary: Constitutional change keeps Orban from powerHungary has implemented a constitutional amendment that prevents former Prime Minister Viktor Orban from ever holding the office of Prime Minister again. The amendment was passed by the parliament with 135 votes in favor, 50 against, and six abstentions. According to the new rules, no individual can hold the position of Prime Minister for a total of eight years or more. Orban previously held the office for 20 years, from 1998 to 2002 and from 2010 to 2026. The amendment also limits the term of the new prime minister, Peter Magyar, to two full legislative periods. This change was a key campaign
Bias read (Center): The article presents the constitutional amendment factually without overtly biased language or selective sourcing. It provides details about the vote, the content of the amendment, and its implications for both Orban and Magyar. There is no clear emphasis on one side over another.
Der StandardIndependentRight7 days ago After the election debacle, Orbán remains the Fidesz chairman and has no intention of changingFollowing a significant electoral defeat in April, Hungary's ruling Fidesz party confirmed Viktor Orbán as its party leader at a recent congress. Despite losing the parliamentary election, Orbán remains the sole candidate for leadership, receiving support from all delegates present. The article notes Orbán's long-standing dominance over Fidesz, which has shifted from a liberal orientation to a more conservative and right-wing stance under his leadership.
Bias read (Right): The article frames Orbán's continued leadership despite electoral loss in a manner that emphasizes his ideological trajectory from liberalism to right-wing conservatism, using terms like 'rechtspopulistische' (right-populist) and highlighting his long-term control over Fidesz. While it provides some
FalterIndependentCenter11 days ago Hungary: Can you roll back Orbán's playbook?The article discusses whether Hungary's Prime Minister Viktor Orbán's political strategy can be reversed, likely examining his governance style, policies, and their impact on Hungarian politics.
Bias read (Center): The article appears to be an analytical piece questioning the reversibility of Orbán's political playbook without overtly favoring any side. It does not exhibit clear bias through language, sourcing, or emphasis.
ORF NewsState / PublicCenter13 days ago MEPs in Hungary are significantly cutting their dietsHungarian parliamentarians have voted to reduce their salaries by 40 percent in an effort to ease public finances. Starting next month, their base salary will be approximately 3,690 euros gross, which is nearly double the national average but lower than under former Prime Minister Viktor Orbán. Critics had accused Orbán of using high salaries to pacify opposition MPs. The current government, led by Prime Minister Péter Májer of the conservative TISZA Party, achieved a two-thirds majority in the April parliamentary elections.
Bias read (Center): The article presents factual information without overtly favoring any political side. It mentions both the reduction in salaries and the historical context involving Viktor Orbán, but does not use loaded language or selectively present sources to support a particular viewpoint.
Official sources cited
- government Parliamentary vote on salary reduction
- government April parliamentary election results