ON
← Back to feed
AustriaPolitics4 days ago

The plague was more deadly than thought 5,500 years ago

Geneticists discovered evidence of the oldest known plague outbreak in human remains found in Siberia, dating back 5,500 years. The study focused on child burials at the Ust’Ida site near Lake Baikal, suggesting that children were particularly vulnerable to severe infections during this period.

Ältester Ausbruch

Die Pest war vor 5500 Jahren tödlicher als gedacht

In Toten aus Sibirien fanden Genetiker Anzeichen des ältesten bekannten Pestausbruchs. Kinder starben besonders häufig an schweren Infektionen

Julia Sica

Dieses Mädchen wurde wahrscheinlich nicht älter als elf Jahre. Seine Überreste wurden an der Fundstätte Ust'Ida in Sibirien geborgen.

Der Baikalsee ist nicht nur der tiefste, sondern auch der älteste Süßwassersee der Erde. Er existierte bereits vor 25 Millionen Jahren, an seinen Ufern wanderten schon in der Prähistorie Menschen und profitierten von Wasser und Fischen. Vom sibirischen See fließt ein großer Fluss ab, die Angara, die steinzeitliche Gräber geöffnet hat: Entlang des Gewässers befinden sich mehrere "Friedhöfe", und einzelne Bestattungen liegen mittlerweile unter der Wasseroberfläche.

Die Gräber wurden bereits im 20. Jahrhundert entdeckt und haben bei Experten viele Fragen aufgeworfen. "Die ungewöhnlich hohe Zahl an Kindern und der kurze Zeitraum haben ein echtes Rätsel dargestellt, das wir seit den 1990er-Jahren versuchen zu lösen", sagt der Archäologe Andrzej Weber von der University of Alberta in Kanada, der das Baikal Archaeology Project leitet. Gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam hat er nun eine Antwort gefunden: Der Erreger der Pest wurde in den Zähnen etlicher Verstorbener nachgewiesen.

Die Seuche, die viele eher mit dem Mittelalter oder vielleicht noch mit der Antike verbinden, trat bereits in der Steinzeit auf . Allerdings schien es zwei große Unterschiede zu geben. Bei den bislang ältesten Stämmen des Bakteriums Yersinia pestis, die rund 5300 Jahre zurückreichen, fehlten jene typischen Sequenzen, die der späteren Beulenpest die rasche Verbreitung über Flöhe und Nagetiere ermöglichten. Vielleicht war eine Infektion mit diesem Erreger also weniger dramatisch als in späteren Zeiten, sondern hatte einen eher milden Verlauf, so die Überlegung. Noch dazu war fraglich, ob die Pest Jäger-Sammler-Gemeinschaften betraf oder ob das Substrat für gegenseitige Ansteckungen eher durch den Erfolgszug der Landwirtschaft und in bevölkerungsreichen Städten gegeben war.

Wenig Inzucht

Die neue Studie zu den Gräbern in der Baikalregion versetzt diesen Überlegungen einen Dämpfer. Wie Weber mit renommierten Leitautoren, den Genetikern Eske Willerslev und Martin Sikora von der Universität Kopenhagen, im Fachjournal Nature berichtet , analysierte das Team die DNA von 46 Toten aus vier Gräberfeldern. Sie lebten vor bis zu 5500 Jahren in kleinen, relativ mobilen Wildbeutergruppen im Südosten Sibiriens. In 18 Individuen wiesen die Forschenden Erbgut von Pestbakterien nach, also in rund 40 Prozent der Verstorbenen. Das sei ein höherer Prozentsatz als in manch einer mittelalterlichen Pestgrube, heißt es in einer Aussendung der Uni Kopenhagen. Damit gelang der Nachweis des nunmehr ältesten bekannten Pestausbruchs.

So stellte sich der Künstler Kelvin Wilson die Bestattung zweier Pesttoter vor 5500 Jahren am Baikalsee beziehungsweise am Fluss Angara vor.

Das Bakterium kam in den Betroffenen häufiger als alle anderen nachweisbaren Krankheitserreger vor. Das erweckt den Anschein, als wären die Personen auch an der Pest gestorben. Die schwersten Infektionen dürften bei Kindern im Alter von 8 bis 11 Jahren aufgetreten sein. Die Forschenden rekonstruierten, soweit möglich, die Verwandtschaftsbeziehungen und stellten fest, dass kleine Familiengruppen betroffen waren. Dies deute auf eine Ausbreitung des Erregers von Mensch zu Mensch hin. Teilweise gab es Bestattungen mehrerer Personen im gleichen Grab, meist aber Einzelgräber, was eher gegen einen plötzlichen Ausbruch spricht, der sofort mehrere Personen tötete.

Die untersuchten Jäger-Sammler-Gruppen wiesen ein relativ geringes Maß an Inzucht auf, was nahelegt, dass immer wieder Partnerschaften zwischen verschiedenen Gruppen entstanden. Die effektive Größe der Population, in der man sich miteinander fortpflanzte, wird auf etwa 18.000 Individuen geschätzt – war also relativ groß. Trotz großer Distanzen zwischen den "Friedhöfen" von bis zu 340 Kilometern tauschte man sich aus, was vermutlich durch die Nutzung von Booten auf dem Angara-Fluss erleichtert wurde.

Extreme Reaktionen

Das Auftreten der Erreger wurde grob in zwei Zeiträume unterteilt. Eine "Welle" dürfte sich irgendwann zwischen 3500 und 3245 vor Christus ereignet haben (und freilich keine hunderte Jahre angehalten, sondern sich relativ rasch abgespielt haben), die andere zwischen 3300 und 2215 v. Chr. In beiden Fällen unterschied sich das identifizierte Bakterium von anderen Yersinia-pestis-Stämmen, die der Forschung von (prä)historischen und modernen Ausbrüchen bekannt sind. Der Stamm dürfte vor etwa 5700 Jahren entstanden sein. Außerdem trugen diese Bakterien ein sogenanntes Superantigen in sich, das Toxine bildet und extreme Reaktionen des Immunsystems hervorrufen kann, was wohl zu schweren Verläufen der Infektionen führte.…

Read the full article at Der Standard
Source document: University of Alberta

1 reports

Der StandardIndependentCenter4 days ago
The plague was more deadly than thought 5,500 years ago

Geneticists discovered evidence of the oldest known plague outbreak in human remains found in Siberia, dating back 5,500 years. The study focused on child burials at the Ust’Ida site near Lake Baikal, suggesting that children were particularly vulnerable to severe infections during this period.

Bias read (Center): The article presents scientific findings without overt ideological framing. It focuses on genetic research and archaeological discoveries, which are factual and neutral in nature. There is no indication of political bias in the language, sourcing, or emphasis.

Official sources cited

  • organisation University of Alberta

Go to the primary sources (1)

The official sources this coverage is built on. Read them directly to bypass framing.

  • organisationUniversity of Alberta