Bilanz von Linken-Chef Jan van Aken : Demnächst wieder öfter im Hoodie unterwegs
Als Parteichef hat Jan van Aken der Linken seinen Stempel aufgedrückt und dafür gesorgt, dass sie außenpolitisch ernster genommen wird. Über das Ende seiner Amtszeit.
Jan van Aken verabschiedet sich von seinem Amt als Parteichef der Linken
Juliane Sonntag/imago
Zum Ende seiner Amtszeit wartet Jan van Aken mit einem Geständnis auf. „Wir haben Sie zwei Jahre lang beschummelt“, eröffnet er den Journalisten im Karl-Liebknecht-Haus bei seiner letzten Pressekonferenz, bei der er neben Ines Schwerdtner hinter einem Tisch steht. „Wir haben hier so ein Podest gehabt“, sagt er, und holt hinter dem Tisch wie ein Zauberer, der einen Trick verrät, einen schwarzen Kasten hervor, auf dem seine Co-Chefin zuvor stand.
Dadurch wird der Größenunterschied zwischen dem 1,96-Meter-Hünen und Schwerdtner, die er um mehr als einen Kopf überragt, deutlicher. Doch, fügt er galant hinzu: „In den letzten zwei Jahren habe ich die meiste Zeit zu Ines Schwerdtner aufgeschaut.“ Sie habe einen „ganz großartigen Job“ gemacht, bedankt er sich für die gute Zusammenarbeit. Das Video dieser Aktion teilten beide anschließend auf ihren Social-Media-Kanälen.
Der 65-Jährige verabschiedet sich von seinem Amt als Parteichef so, wie er angetreten ist: mit Humor, Charme und einem Sinn für Inszenierung. Am Samstag wird die Linke bei ihrem Parteitag in Potsdam seinen Nachfolger wählen, der, wenn alles glattgeht, Luigi Pantisano heißen wird. Er wird in große Fußstapfen treten. Denn die Amtszeit von Jan van Aken als Parteichef war zwar eine der kürzesten in der Geschichte der Linken. Doch in dieser kurzen Zeit hat er die Partei so stark geprägt wie wenig andere.
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Sein Anteil an der Wiederauferstehung der Linken ist groß. Nachdem Schwerdtner und er im Oktober 2024 die Parteiführung übernommen hatten, steigerte sich die Linke innerhalb weniger Monate von Umfragewerten um 2 bis 3 Prozent auf 8,8 Prozent bei der Bundestagswahl 2025. Er sei schon „ein bisschen stolz“, dazu beigetragen zu haben, sagt van Aken gegenüber der taz, auch wenn er katholisch aufgewachsen und Stolz ja „eine Todsünde“ sei. „Plötzlich war Die Linke cool“, und die Stimmung bei den Wahlkampf-Veranstaltungen in überfüllten Sälen „wie auf einem Rockkonzert“.
Schwerpunkt: friedliche Konfliktlösung
Als Spitzenkandidat neben Heidi Reichinnek, die auf Tiktok & Co und mit ihrer Brandrede im Bundestag vor allem junge Wähler:innen mitriss, sprach Jan van Aken im Wahlkampf die etwas älteren Semester an. Mit seinen Talkshowauftritten und in Interviews mit Leitmedien sorgte er dafür, dass die Partei insbesondere in außenpolitischen Fragen wieder ernst genommen wurde – eine wichtige Leistung, denn gerade das außenpolitische Irrlichtern hatte bis dahin viele Sympathisanten abgeschreckt.
Van Aken zeigte, dass es möglich ist, Solidarität mit der angegriffenen Ukraine zu zeigen, ohne immer mehr Waffenlieferungen an das Land das Wort zu reden, und verwies auf nicht ausgeschöpfte Sanktionsmittel. Und er vermochte es, Verständnis für die Traumata der israelischen Gesellschaft zu zeigen, ohne damit die Verbrechen der israelischen Regierung in Gaza, im Westjordanland und im Libanon zu relativieren, und setzte sich damit erfolgreich vom außenpolitischen Mainstream in Deutschland ab. Dass er bis kurz nach dem Angriff der Hamas am 7. Oktober in Tel Aviv war, wo er an seinem Buch über friedliche Formen der Konfliktlösung arbeitete, verlieh ihm Glaubwürdigkeit.
Van Aken dürfte es die Linke zu einem guten Teil zu verdanken haben, dass über 700.000 Wählerinnen und Wähler, die in der Ampel-Zeit von den Grünen enttäuscht wurden, bei der letzten Bundestagswahl im Februar 2025 ihr Kreuzchen bei ihr machten. Denn ein wenig erinnert er selbst an die Grünen in früheren Zeiten, als sie noch unangepasst und rebellisch waren.
Habituell ist der FC-St-Pauli-Fan schließlich ein alter Sponti: In den sozialen und ökologischen Bewegungen der 1980er Jahre sozialisiert, ist ihm der laute Straßenaktivismus nicht fremd. Er denkt in Kampagnen, wie er es in seiner Zeit bei Greenpeace gelernt hat. Als promovierter Biologe, der zwei Jahre lang als offizieller Biowaffeninspektor für die Vereinten Nationen arbeitete, ist ihm aber auch der Marsch durch die bürokratischen Organisationen vertraut. Doch selbst im Bundestag ist er lieber im T-Shirt oder Hoodie und bestenfalls im Sakko statt in Anzug und Krawatte unterwegs.
Kritiker werfen ihm Populismus…
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