WM 2026
Ausnahmezustand: Ausgelassen feiernde Schotten trinken Boston leer
Die Lokalbetreiber und Hersteller von Hopfengetränken in der US-Metropole haben die Feierlaune der Schotten offenbar unterschätzt. Die Fans der "Tartan Army" sorgen für nie dagewesene Umsätze
Thomas Hirner
Schottische Fans erweisen sich in Boston, der Hauptstadt von Massachusetts, in Feierlaune.
Boston – Die Schotten sind eher keine stillen Genießer, sie feiern die Feste, wie sie fallen – und das auch gerne lautstark. Das demonstrierten sie in den vergangenen Tagen auch in Boston eindrucksvoll. Und zwar nicht nur im Rahmen des Auftaktmatches der Gruppe C vergangenen Sonntag gegen Haiti , sondern etwa auch bei einem Baseballmatch der Red Sox, das sie mehr oder weniger spontan crashten. Die Schotten erweisen sich jedenfalls als ausdauernde und trinkfeste Partytiger.
"No Scotland, no Party"
Angeführt von Dudelsackspielern schlendern die Fans der "Bravehearts" zu Tausenden in Schottenröcken und mit blau-weißen Flaggen durch die US-Metropole. Tagsüber hängen sie im Park oder am Hafen ab, bevor sie spätestens am späteren Nachmittag von den Bars im Zentrum offenbar magisch angezogen werden. Alsdann wird die inoffizielle WM-Hymne praktisch in Dauerschleife skandiert: "No Scotland, no Party".
Die Lokalbesitzer und Hersteller von Hopfengetränken reiben sich indes die Hände, die Lager wurden innert weniger Tage geleert. Paul Morris von der Taverne The White Bull schwärmte: "Uns ist alles ausgegangen. Die Fans waren unglaublich. Sie sind großartig – sie haben Spaß, trinken, feiern – und genießen die Zeit in vollen Zügen."
Die 1984 gegründete Boston Beer Company teilte laut ESPN mit, dass die Schotten von Donnerstag bis Sonntag viermal so viel Bier getrunken hätten, wie das Unternehmen normalerweise während einer typischen viertägigen Feiertagsphase vorrätig habe – etwa um den Independence Day (Unabhängigkeitstag) am 4. Juli. Es sei eine "Notfalllieferung" notwendig geworden. "Wir nehmen diese Woche zusätzliche Lieferungen auf, um sicherzustellen, dass wir genug davon haben. Sie trinken im Grunde genommen nur Boston Lager", teilte das Unternehmen weiters mit. Dem widerspricht Jennifer Monastesse, Mitinhaberin eines Irish Pubs im Zentrum, entschieden: "Sie trinken alles".
Umsatz vom St. Patrick's Day verdreifacht
Die Geschäftsführerin der Hennessy's Bar berichtet, dass das Bier bereits nach dem Auftaktsieg gegen Haiti ausverkauft gewesen sei: "Wir sind seit über 30 Jahren hier, und so etwas haben wir noch nie erlebt. Wir haben den Umsatz vom St. Patrick's Day verdreifacht", sagte Noelle Somers. "Die schottischen Fans haben den Spaß in die Stadt zurückgebracht, den wir über den Winter verloren hatten."
Die Chance auf den historischen Einzug in die K.-o.-Phase einer Endrunde versetzt die "Tartan Army" genannten Schottland-Fans in der US-Metropole in Ekstase. Über 30.000 Schotten und Schottinnen sollen für die WM-Spiele über den Atlantik gereist sein. Dazu kommen etwa 10.000 Bostoner mit schottischen Wurzeln. Kein Wunder, dass die Atmosphäre beim Auftaktmatch einem Heimspiel im Hampden Park zu Glasgow glich.
Die Schotten kamen, um länger zu bleiben.
"Diese Energie der Fans überträgt sich auf die Mannschaft", sagte Kapitän Andrew Robertson. "Wir wissen, dass wir die besten Fans der Welt haben, und wir wissen auch, wie lange sie auf diesen Moment gewartet haben. Sie werden ihn so oder so genießen, aber unsere Aufgabe ist es, ihnen echte Momente zu schenken, über die sie jubeln können", sagte Robertson. Das 1:0 gegen Haiti war der erste schottische WM-Sieg seit 36 Jahren.
In der Nacht auf Samstag (0.00 Uhr MESZ/ServusTV) treffen die Schotten in ihrem zweiten Gruppenspiel auf Marokko – erneut im NFL-Stadion der New England Patriots in Foxborough nahe Boston. Frage nicht, was nicht nur dort dann abgeht, sollte das Team von Steve Clarke den erstmaligen Einzug in die K.-o.-Runde schaffen. (Thomas Hirner, 19.6.2026)
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