Regenbogenparade
Vor drei Jahrzehnten sind erstmals bunt gekleidete Menschen und feierlich geschmückte Wagen über die Wiener Ringstraße gezogen, um für gleiche Rechte und gegen Diskriminierung queerer Menschen zu demonstrieren. Anlässlich des Jubiläums sprach ORF.at mit den Mitgründern der Regenbogenparade: über Aufstände und Widerstände, „Stonewall“ als Meilenstein und darüber, warum die Regenbogenparade aus Sicht der Community selbst 30 Jahre später nicht nur Party, sondern immer auch Protest sein muss.
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Die Nacht auf den 28. Juni 1969 gilt als Geburtsstunde der LGBTQ-Bewegung. Es war das erste Mal, dass sich Schwule, Lesben und Transgender-Personen gegen Unterdrückung zur Wehr setzten. Die Proteste gingen als „Stonewall Riots“ in die Geschichte ein, benannt nach der New Yorker Bar in der Christopher Street, hier im Jahr 1989.
Anlässlich des einjährigen Jubiläums des „Stonewall“-Aufstands fand 1970 die erste Christopher-Street-Day-Parade (CSD) in New York City statt. Heutzutage gibt es CSD-Paraden auf der ganzen Welt. So unterschiedlich die Namen sein mögen, ob CSD, Pride oder wie hierzulande Regenbogenparade, die Botschaft ist überall die gleiche: „Gay is good.“
Von New York nach Wien
1994 feierten Hunderttausende Menschen in New York das 25-Jahr-Jubiläum der Pride-Parade. Unter ihnen war auch der Österreicher Andreas Brunner, mittlerweile wissenschaftlicher Leiter von Qwien, dem Zentrum für queere Kultur und Geschichte.
LGBTQ
Die Abkürzung steht für lesbian (lesbisch), gay (schwul), bisexual (bisexuell), transgender und queer.
„Ich habe die Jubiläumsparade ‚Stonewall 25‘ miterlebt. 800.000 queere Menschen auf einem Haufen. Das war natürlich wahnsinnig beeindruckend“, erzählte er. 1995 nahm er wieder an der Parade teil, diesmal mit seinem Kollegen Hannes Sulzenbacher. Danach sei den beiden klar gewesen: „So etwas braucht man in Wien auch.“
In einer „dramatischen Sitzung“, so erzählt Mitbegründer Christian Michelides, seien dann aber doch Zweifel aufgekommen. Vielleicht sei die Ringstraße zu groß für die Parade. Vielleicht würde niemand kommen. Vielleicht würde man sich damit blamieren. „Daraufhin bin ich aufgestanden und hab’ gesagt: ‚Und wenn ich allein mit meinem Hund Bobi über den Ring marschieren muss, ich meld‘ sie an.’“ Und so kam es 1996 zur ersten Parade in Wien.
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Die erste Regenbogenparade 1996 in Wien. Zwar habe es auch zuvor schon kleinere Demos gegeben, aber „wir waren der Meinung, dass man die Sichtbarkeit von LGBTQ-Personen mit so einer Parade einfach wesentlich erhöht“, erzählt Brunner.
Es sei einfach die richtige Zeit gewesen, so die Mitbegründer. 1993 fand der Lifeball im Rathaus statt, damals „eine Sensation“. Die LGBTQ-Bewegung habe sich langsam formiert und mehr Rechte eingefordert. Widerstand, auch gegen die Parade, habe es kaum gegeben, vielmehr Unterstützung von vielen Seiten – ebenso von der Stadt Wien.
Bei der ersten Parade wurde noch in Fahrtrichtung demonstriert und nur von der Oper bis zur Uni. „Also nicht wahnsinnig weit, aber wir waren froh, dass wir das organisatorisch im Griff bekommen haben“, so Brunner. Das Budget: 20.000 Schilling. Als die Parade 1997 erstmals gegen die Fahrtrichtung zog, habe die Polizei gemurrt. „Bis irgendein Verkehrspolizist gesagt hat, ‚is eh wurscht‘.“
Laut offiziellen Zahlen nahmen 25.000 Menschen an der ersten Regenbogenparade teil. Gruppen aus ganz Österreich reisten nach Wien. Dem vorausgegangen sei „viel Mobilisierungsarbeit, vom Bodensee bis zum Neusiedler See“, so Michelides.
Die Reaktionen auf die Parade seien unterschiedlich ausgefallen. Einige seien neugierig gewesen, „gemma Schwule schauen“, habe es damals geheißen, so Michelides. „Einige haben gemotzt und geraunzt, aber die haben sich dann verzogen. Weil wir zu viele waren.“
Es sei ein Gefühl von „wir haben es geschafft“ gewesen, so Michelides. Und weiter: „Es war viel Arbeit, viel Fun, viel Kampf.“ Auch Brunner sprach von einer „Aufbruchstimmung“.
„Politik und Polizei hätten uns lieber auf der Prater-Hauptallee gesehen“, so Brunner. Doch die Ringstraße sei immer Bedingung gewesen. Schließlich gehe es darum, sich einmal im Jahr diesen „historisch bedeutsamen Prachtboulevard anzueignen und diese Repräsentationsfläche zu bespielen. Und zwar so, wie wir wollen. Und nicht, wie es andere gut finden.“
Brunner erinnert sich: „Mario Soldo (im Bild) ist aufgestanden und hat gesagt, nennen wir es doch Regenbogenparade. Der Regenbogen war damals gerade das Symbol, das bekannt und modern wurde. Auch in Österreich. Und ja, dann haben alle gesagt: ‚Ja, machen wir.‘“
Michelides sprach über die „ausgelassene Feierstimmung“ der ersten Parade. Von Anfang an sei die Parade aber immer auch ein politisches Statement gewesen: „Eine Mischung aus Feiern und Protest“, erklärt Brunner.
Die mediale Berichterstattung sei anfangs schwierig gewesen. Eine Zeitung etwa habe die Parade einst lediglich als „Tanzveranstaltung für Junge und Junggeblie…
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