Die Ausstellung „Tapetenwechsel. Migration und Mobiliar seit 1960“, die im Museum Ephraims-Palais in Berlin bis 3. Januar 2027 zu sehen ist, bietet einen tiefgründigen Blick auf die Geschichte der Migration durch die Brille von Alltagsobjekten. Kuratiert von Burcu Dogramaci und Manuel Gogos, stellt die Ausstellung die komplexen Wechselbeziehungen zwischen Wohnen, Identität und Migration dar. Mit einer Vielzahl von Objekten, Fotos und Dokumenten wird die Rolle von Mobiliar als Zeichen von Ankommen, Ausharren und Träumen verdeutlicht. Die Ausstellung beginnt mit einer Zitat von Kyriakos Ch., einem der ersten griechischen Arbeitsmigranten, der in den 1950er-Jahren in Berlin ankam. Seine Erinnerung an seine erste Nacht bei den Nonnen und bei einer deutschen Oma, deren Klavier er im Winter verfeuerte, spiegelt die schwierige Wohnsituation der frühen Migranten wider. Diese Erzählung wird unterstützt durch Zeitungsartikel aus den 1960er Jahren, die mit Titeln wie „Gastarbeiter-Slum“ oder „Hundestall als Wohnung“ die unkonventionellen Lebensverhältnisse der Migranten beschreiben.
Die Ausstellung besteht aus zehn thematisch kuratierten Kapiteln, in denen die Ausstattung von Wohnräumen oft deutlich von Knappheit, Improvisation und der Fähigkeit, mit wenig auszukommen, zeugt. Dies steht im Kontrast zur musealen Umgebung des Rokoko-Gebäudes, das traditionell bürgerliche Pracht symbolisiert. Martin Rosswogs Serie „Asylbilder“ aus den Jahren 1992 bis 1994 zeigt kahle Räume und provisorische Arrangements, wobei ein dreibeiniger Stuhl als Symbol für das Leben ohne festen Stand dient. In diesen Werken wird die Unterschiedlichkeit zwischen Herkunft und Ankunft als Überlagerung statt als klarer Gegensatz dargestellt. Die Ausstellung führt somit zu einer Definition von „Existenzen im Dazwischen“, in der „Einheimischen“ zu „Mehrheimischen“ werden.
Die Ausstellung bringt auch individuelle Biografien ins Licht. Filippo Bologna aus Sizilien schläft als junger Arbeitsmigrant in Solingen jahrelang auf zwei zusammengeschobenen Stühlen. Mustafa Aydin träumt von einem eigenen Sägewerk in der Türkei, das er jedoch nie bauen wird. Die Familie Ricchiuti richtet ihr Haus in Italien mit hochwertigen Möbeln ein, während ihre Wohnung in Deutschland mit billiger Einrichtung ausgestattet bleibt. Diese Geschichten zeigen, wie Migration nicht nur physisch, sondern auch emotional und psychologisch beeinflusst. Die Ausstellung betont dabei, dass Ankommen nicht immer bedeutet, sich neu zu orientieren, sondern vielmehr, bestehende Strukturen zu bewahren und gleichzeitig neue zu schaffen.
Zudem wird in der Ausstellung die politische und verletzliche Seite des migrationsbedingten Wohnens thematisiert. Es wird an rassistische Angriffe auf Wohnräume erinnert, die eigentlich Schutz bieten sollten. Orte wie Solingen oder Rostock-Lichtenhagen werden genannt, die historisch als Epizentren von Diskriminierung und Gewalt gegen Migranten bekannt sind. Die Ausstellung weist darauf hin, dass die Erfahrung von Migration oft mit Unsicherheit und Angst verbunden ist, was sich in der Architektur und Nutzung von Wohnräumen widerspiegelt.
Immer wieder wird auch die Rolle von Technologie und Kommunikationsmitteln wie Radios und Fernsehern hervorgehoben. Diese Geräte fungieren als Brücken zwischen den Herkunftsländern und der neuen Umgebung, indem sie Verbindungen aufrechterhalten und gleichzeitig neue schaffen. Die Ausstellung spielt bewusst mit verschiedenen Perspektiven, sowohl externen als auch internen. So werden in einem Kapitel Fotografien von Henning Christoph und seiner Frau Shawn gezeigt, die in private Räume türkischstämmiger Menschen in Deutschland eindringen. Diese Bilder sind zwar intim, tragen aber auch die Gefahr der Exotisierung in sich. Gegenüber dazu stehen Selbstinszenierungen aus den 1970er Jahren, in denen Migranten die Kontrolle über ihr eigenes Bild zurückgewinnen. Ein Beispiel dafür ist ein Mann aus Griechenland, der sich selbstbewusst auf dem Balkon posiert, was in seiner Heimat, einer Militärdiktatur, undenkbar gewesen wäre.
Die Ausstellung „Tapetenwechsel. Migration und Mobiliar seit 1960“ ist somit nicht nur eine dokumentarische Darstellung, sondern auch eine kritische Reflexion über die Komplexität von Migration und Wohnen. Sie fordert den Betrachter heraus, die Vielfalt und Ambivalenz der Erfahrungen der Migranten zu verstehen und zu respektieren. Durch die Integration von persönlichen Geschichten, fotografischen Werken und objektiven Dokumenten schafft die Ausstellung eine Raum, in dem die Existenz der Migranten sichtbar gemacht und ihre Wirklichkeit erkannt wird.
6 informaciones
taz – die tageszeitungIndependienteCentroVeracidad 85Objetividad 80hace 4 d Exposición sobre migración y muebles: existencias en el medioThe exhibition 'Tapetenwechsel. Migration und Mobiliar seit 1960' at the Museum Ephraims-Palais in Berlin explores the lived experiences of migrants through their domestic objects and living arrangements. It highlights the improvisational nature of housing for immigrants, using personal stories and photographs to illustrate the blending of old and new cultures. The exhibit contrasts the opulence of the Rococo building with the modesty of migrant accommodations, emphasizing themes of transition and coexistence. Personal narratives include individuals like Kyriakos Ch., who lived among nuns and relatives, and Filippo Bologna, who slept on two chairs in Germany. The exhibition suggests that migration involves more than just physical movement, creating hybrid identities known as 'Mehrheimische'.
Lectura del sesgo (Centro): The article presents a balanced exploration of migration experiences without overtly favoring any political ideology. While discussing the challenges faced by migrants, it does not take a partisan stance but rather focuses on cultural and social aspects of integration. The framing remains neutral,侧重
Por qué estas puntuaciones (Veracidad 85 · Objetividad 80): The article presents a curated exhibition focused on migration and domestic objects, accurately describing the themes and examples like Kyriakos Ch.'s quote and Martin Rosswog's photographs. It maintains a scholarly tone but uses emotionally charged terms like 'Gastarbeiter-Slum' which may reflect a
Tagesschau (ARD)Estatal / públicoCentrohace 20 h El Papa en Lampedusa - "Tengan el coraje de pensar de manera diferente"On July 4, 2026, Pope Leo XIV visited Lampedusa, known as 'the gate of Europe,' where many migrants arrive from North Africa seeking refuge in Europe. During his visit, he addressed both locals and tourists, emphasizing the importance of compassion and human dignity. The Pope paid tribute to those who died during dangerous sea crossings by laying flowers at a local cemetery and blessing a memorial plaque dedicated to his predecessor, Pope Francis. He highlighted the challenges posed by migration, including fear, prejudice, and exploitation, while calling for a global commitment to justice and solidarity. The Pope urged European societies to address these issues through comprehensive strategies that include humanitarian aid and long-term development plans.
Lectura del sesgo (Centro): The article presents the Pope’s speech and actions in a balanced manner, focusing on religious and moral appeals rather than partisan politics. While migration is a politically sensitive issue, the framing remains neutral, avoiding overt ideological slant. The emphasis is on universal values such as
Süddeutsche ZeitungIndependiente🔒Izquierdahace 23 h El Papa en Lampedusa: un llamamiento a la responsabilidad de Europa en materia de migraciónEl artículo informa sobre la visita del Papa Francisco a Lampedusa, donde pidió a Europa que asuma una mayor responsabilidad en los asuntos de migración. Durante su discurso, el Papa enfatizó la obligación moral de las naciones europeas de apoyar a los migrantes y refugiados, destacando la crisis humanitaria que enfrentan los que llegan a la isla. Instó a los países de la UE a adoptar políticas más compasivas y aumentar la solidaridad con las naciones mediterráneas que luchan contra las presiones migratorias.
Lectura del sesgo (Izquierda): Si bien el mensaje del Papa es religioso, el énfasis en el deber moral y la acción colectiva resuena con las perspectivas izquierdistas sobre la justicia social.
Deutsche Welle (English)Estatal / públicoIzquierdahace 23 h El Papa León pide a Europa que haga más por los migrantesEl Papa Francisco llamó a los líderes europeos a mejorar las protecciones y la integración de los migrantes, enfatizando la necesidad de ayuda inmediata y estrategias a largo plazo. Sus comentarios fueron hechos durante una visita a Lampedusa, Italia, un importante punto de entrada para los migrantes que cruzan el Mediterráneo desde África. El Papa destacó la importancia de apoyar a los países en desarrollo para prevenir la migración forzada y elogió a las comunidades locales por su solidaridad. También extendió llamamientos similares a los Estados Unidos, instando a los estadounidenses a adoptar la inmigración como un reflejo de los valores de la nación.
Lectura del sesgo (Izquierda): El artículo enmarca el llamado del Papa a un mayor apoyo a los migrantes como un imperativo moral, utilizando lenguaje como "compasión", "dignidad" y "persona humana" para enfatizar los valores humanitarios.
Tagesschau (ARD)Estatal / públicoCentroayer Gedenken an ertrunkene Geflüchtete: Papst Leo XIV. besucht LampedusaThe article reports on Pope Francis' visit to Lampedusa, Italy, where he paid tribute to those who drowned while attempting to reach Europe by sea. The visit comes amid ongoing discussions about migration and humanitarian efforts. The focus is on the religious and symbolic significance of the event rather than political implications.
Lectura del sesgo (Centro): The article presents the visit as a religious and humanitarian gesture without overtly aligning with any political stance. It focuses on the pope's actions and their symbolic meaning rather than taking a clear ideological position.
Süddeutsche ZeitungIndependiente🔒Centroayer Antes de la visita del Papa a Lampedusa: lo que la isla espera de León XIVEl artículo analiza los preparativos para la próxima visita del Papa Francisco a Lampedusa, centrándose en las expectativas y desafíos que enfrenta la isla. Destaca la importancia de la visita en el contexto de los problemas de migración, enfatizando las preocupaciones humanitarias relacionadas con la crisis migratoria mediterránea. La pieza explora el impacto potencial de la visita papal en las comunidades locales y la atención internacional, al tiempo que toca las implicaciones más amplias para el alcance católico y la justicia social. No se proporcionan detalles específicos sobre la visita en sí, pero el tono sugiere un enfoque en la importancia simbólica y práctica del evento.
Lectura del sesgo (Centro): El artículo presenta una visión general equilibrada de la importancia anticipada de la visita papal sin favorecer abiertamente ninguna postura política en particular, sino que se centra en las dimensiones humanitarias y religiosas en lugar de tomar una posición ideológica clara.
★
Mantengamos las noticias honestas.
ObjectiveNews se financia con los lectores y no tiene anuncios: te mostramos el sesgo en lugar de ocultarlo. Apoya el periodismo independiente por 5 €/mes.
Hazte suscriptor