Nach einer neuen Studie unter der Leitung von Epidemiologen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) erhöht Übergewicht das Krebsrisiko mehr als bisher angenommen. 5 Prozent aller Krebsfälle könnten mit überschüssigem Körperfett in Verbindung gebracht werden, was deutlich höher ist als frühere Schätzungen, die zwischen zwei und acht Prozent lagen. Dieser Befund stellt frühere Annahmen in Frage und unterstreicht die Notwendigkeit aktualisierter Strategien für die öffentliche Gesundheit in Bezug auf Fettleibigkeit und Krebsprävention. Das Forscherteam unter der Leitung des Epidemiologen Hermann Brenner analysierte Daten von 458.543 Männern und Frauen, die aus der UK Biobank, einer groß angelegten Gesundheitsdatenbank, stammen.
Über einen Zeitraum von etwa zwölf Jahren wurden diese Teilnehmer überwacht, während dessen 50.000 neue Krebsdiagnosen registriert wurden. Im Gegensatz zu früheren Studien, die sich ausschließlich auf den Body Mass Index (BMI) stützten, um gewichtsbezogene Risiken zu bewerten, enthielt diese Studie zusätzliche Metriken wie Taillenumfang und Taillen-Hüft-Verhältnis. Diese Maßnahmen liefern ein nuancierteres Verständnis dafür, wie sich die Fettverteilung auf das Krebsrisiko auswirkt. Michael Leitzmann, Epidemiologe an der Universität Regensburg, der nicht an der Studie beteiligt war, betonte, dass die Ergebnisse darauf hindeuten, dass frühere Bewertungen den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs möglicherweise unterschätzt hätten.
Er stellte fest, dass die traditionelle Abhängigkeit von BMI irreführend sein kann, da sie weder zwischen Fett und Muskelmasse unterscheidet noch berücksichtigt, wo Fett auf dem Körper gespeichert ist. Leitzmann erklärte, dass viszerales Fett, Fett, das um den Bauchbereich herum gespeichert ist, besonders besorgniserregend ist. Es funktioniert ähnlich wie eine endokrine Drüse und setzt Signalmoleküle frei, die als Adipokine bekannt sind, in den Blutkreislauf. Diese Moleküle beeinflussen Stoffwechselprozesse im ganzen Körper, einschließlich Zellwachstum, Teilung und programmierten Zelltod. Solche Veränderungen können zur Entwicklung und zum Fortschreiten von Tumoren beitragen.
Die Forscher wollten eine weitere potenzielle Verzerrung in früheren Studien angehen: die Möglichkeit, dass einige Personen vor der Teilnahme an der Studie an einem nicht diagnostizierten Krebs abgenommen haben. Um dieses Problem zu lindern, schlossen sie Krebsfälle aus, die innerhalb der ersten Jahre der Beobachtung diagnostiziert wurden, und konzentrierten sich stattdessen auf diejenigen, die sieben Jahre nach der Einschreibung auftraten. Dieser Ansatz half sicherzustellen, dass die beobachteten Assoziationen zwischen Gewicht und Krebs nicht durch bereits bestehende Erkrankungen verwechselt wurden. Die Studie ergab, dass bestimmte Arten von Krebs, einschließlich Darm-, Brust- und Leberkrebs, eine stärkere Korrelation mit Übergewicht und Fettleibigkeit im Vergleich zu anderen Formen zeigten.
Darüber hinaus identifizierte die Forschung erhöhte Risiken für zehn andere Krebsarten und erweiterte den Anliegenbereich über die zuvor anerkannten Kategorien hinaus. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Fettleibigkeit ein weit verbreiteter Faktor bei der Krebsentwicklung ist, als bisher verstanden.
Mit zunehmendem Bewusstsein steigt der Druck auf Regierungen und Organisationen, wirksame Interventionen gegen Fettleibigkeit als vorbeugende Maßnahme gegen Krebs zu implementieren. Die Studie hat Diskussionen unter Wissenschaftlern und Gesundheitsdienstleistern über die Notwendigkeit der Überarbeitung der aktuellen Richtlinien und Empfehlungen ausgelöst. Die Forscher fordern weitere Untersuchungen, um die Mechanismen, die Fettleibigkeit und Krebs in größerer Tiefe verbinden, zu erforschen. Sie betonen auch die Bedeutung der Entwicklung zielgerichteter Präventionsprogramme, die sowohl Lebensstilfaktoren als auch systemische Probleme angehen, die zu steigenden Fettleibigkeitsraten weltweit beitragen.
★
Halte die Nachrichten ehrlich.
ObjectiveNews ist leserfinanziert und werbefrei – wir zeigen dir den Bias, statt ihn zu verstecken. Unterstütze unabhängigen Journalismus für 4 €/Monat.
Unterstützer werden