Eine neue Studie hat Bedenken hinsichtlich der langfristigen Auswirkungen von COVID-19 geäußert, die darauf hindeuten, dass einige Personen, die sich von der Infektion erholt haben, aufgrund von Veränderungen im Dopamin-System ihres Gehirns noch an dauerhaften neurologischen und psychiatrischen Symptomen leiden könnten. Forscher aus Kanada fanden heraus, dass Erwachsene mit langem COVID eine Verringerung der Dopamin-Nervenenden im Vergleich zu gesunden Personen zeigten. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift eBioMedicine veröffentlicht und könnten helfen zu erklären, warum bestimmte Patienten nach der ersten Genesung noch jahrelang Symptome aufweisen. Das Forschungsteam analysierte Gehirnscans von 24 Erwachsenen mit langem COVID und verglich sie mit Scans von 24 gesunden Personen ähnlichen Alters.
Sie verwendeten Positronen-Emissions-Tomographie (PET) -Scans, um die Gehirnstrukturen zu beobachten. Die Ergebnisse zeigten, dass diejenigen mit langem COVID etwa 18 Prozent weniger Dopamin-Nervenenden hatten als gesunde Teilnehmer. Diese Veränderungen waren nicht nur statistisch, sondern waren auf den Gehirnscans deutlich sichtbar. Die Forscher identifizierten Verbindungen zwischen dem Verlust von Dopamin-Nervenenden und verschiedenen Symptomen. Eine geringere Dichte dieser Nervenenden im ventralen Striatum war mit einer verminderten Motivation verbunden. Im dorsalen Striatum, speziell im Putamenbereich, war der Verlust mit langsamerer Bewegung und längerer Zeit verbunden, die zur Erfüllung von Aufgaben benötigt wurde.
Veränderungen im Kaudatkern waren mit Gedächtnisproblemen und Schwierigkeiten beim Wortfinden verbunden, Symptome, die häufig von Menschen mit langem COVID berichtet wurden. Insbesondere wurden diese Veränderungen auch bei Personen beobachtet, die mehr als viereinhalb Jahre mit langem COVID lebten, was darauf hindeutet, dass die Gehirnveränderungen möglicherweise nicht nur vorübergehende Auswirkungen einer akuten Infektion sind. Darüber hinaus ergab die Studie, dass selbst gesunde Personen, die sich zuvor von COVID-19 erholt hatten, weniger Dopamin-Nervenenden hatten als diejenigen, die nie infiziert waren.
Während die Studie einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Virus und dauerhaften Schäden am Dopamin-System nahelegt, betont sie, dass dies nicht unbedingt bedeutet, dass jeder Einzelne einen solchen dauerhaften Schaden erleiden wird. Da die Stichprobengröße klein war, sind weitere Untersuchungen erforderlich, um zu bestimmen, wie häufig diese Veränderungen sind und ob sie sich im Laufe der Zeit verbessern. Jeffrey Meyer, ein Neurochemiker der Universität von Toronto, glaubt, dass der in der Studie verwendete Marker eines Tages bei der Identifizierung von Patienten mit langem COVID helfen könnte. Er schlägt vor, dass einige Patienten positiv auf Behandlungen reagieren könnten, die darauf abzielen, die Dichte der Dopamin-Nervenenden zu erhöhen oder die Dopaminfreisetzung aus den verbleibenden zu verbessern.
Meyer's Forschungsgruppe plant, zukünftige klinische Studien durchzuführen, um ein Medikament zu testen, das das Dopamin-System beeinflusst, und seine potenziellen Vorteile für die Langzeit-COVID-Symptome zu bewerten. Langzeit-COVID umfasst eine breite Palette von Symptomen, die nach der akuten Phase der Krankheit bestehen bleiben oder auftreten. Dazu gehören Müdigkeit, Schwierigkeiten mit Gedächtnis und Konzentration, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Angst und Verdauungsprobleme. Der Zustand kann mehrere Organsysteme betreffen, wobei die Symptome mehrere Jahre anhalten und das tägliche Leben einiger Personen erheblich beeinflussen. Der genaue Anteil der Menschen, die lange nach der COVID-Infektion entwickeln, bleibt unbekannt.
Die Schätzungen variieren stark und liegen oft zwischen zwei und zehn Prozent der Infizierten. Einige Schätzungen deuten darauf hin, dass Millionen weltweit mit den Folgen eines langen COVID leben könnten. Die Forscher betonen die Notwendigkeit von verifizierten Behandlungsmethoden und Tests auf der Grundlage von Beweisen, da sich die aktuellen Ansätze hauptsächlich auf die Linderung der Symptome oder das Testen bestehender Medikamente konzentrieren. Viele Patienten bleiben aufgrund des Mangels an etablierten Therapien unbehandelt. Die Studie unterstreicht die Bedeutung des Verständnisses der biologischen Marker hinter langen COVID-Symptomen, was zu einer besseren Diagnose und gezielten Behandlungsstrategien führen könnte.
★
Halte die Nachrichten ehrlich.
ObjectiveNews ist leserfinanziert und werbefrei – wir zeigen dir den Bias, statt ihn zu verstecken. Unterstütze unabhängigen Journalismus für 4 €/Monat.
Unterstützer werden