Ein neuer nationaler Bericht hat alarmierende Mängel in Schweizer Pflegeheimen hinsichtlich Legionellenbekämpfung aufgedeckt, was ein wachsendes Risiko für ältere Bewohner hervorhebt. Die Ergebnisse wurden im August 2026 veröffentlicht, nach einer umfassenden Überprüfung, die im Jahr 2025 durchgeführt wurde. Der Bericht ergab, dass die Hälfte der inspizierten Pflegeheime unzureichende Selbstüberwachungssysteme hatte, während fast ein Viertel die maximal zulässigen Legionellenkonzentrationswerte überschritt. Diese Enthüllungen haben seit Anfang 2026 zu einer verstärkten Kontrolle und strengeren Inspektionen geführt, wobei einige Einrichtungen strengere Protokolle implementierten, um die Bedrohung abzumildern.
Das Problem liegt in der komplexen Infrastruktur vieler Pflegeheime, die oft große Gebäude mit ausgedehnten Wasserleitungsnetzwerken haben. Die Häufigkeit der Nutzung variiert je nachdem, ob einzelne Räume belegt sind, was es schwierig macht, einen konstanten Wasserfluss zu halten und Stagnation zu verhindern, ein Schlüsselfaktor für die Legionellenverbreitung. Als Reaktion darauf haben mehrere Institutionen, einschließlich des Maison de Vessy in Genf, strenge Maßnahmen zur Gewährleistung sicherer Wasserbedingungen eingeführt. In dieser Einrichtung wird warmes Wasser zwischen 55 und 60 Grad Celsius gehalten, wobei wöchentliche thermische Desinfektionsprozesse durchgeführt werden, bei denen das Wasser auf 80 Grad erhitzt wird, um Bakterien zu beseitigen.
Darüber hinaus wird das System alle fünf Jahre dekalcifiziert, um einen Mineralabbau zu verhindern. Raoul Schrumpf, Generaldirektor des Maison de Vessy, erklärte, dass in den entferntesten Räumen Stichproben durchgeführt werden, um sowohl die richtige Wassertemperatur als auch die Abwesenheit von stagnierendem Wasser in langen Rohrleitungen zu bestätigen. Die Anlage besteht aus vier separaten Gebäuden, von denen jedes Kilometer Rohrleitungen aufweist, was das Ausmaß der Herausforderung für solche Institutionen unterstreicht. In allen Räumen sorgen die Mitarbeiter dafür, dass vor und nach längerer Abwesenheit fünf Minuten lang heißes Wasser sowohl in der Dusche als auch in der Spüle fließt, gefolgt von einer Belüftung, um Feuchtigkeit und potenzielles Bakterienwachstum zu reduzieren.
Legionellen können zwei verschiedene Krankheitsformen verursachen: die schwere Legionärerkrankung und das mildere Pontiac-Fieber. Die Legionärerkrankung manifestiert sich typischerweise zwei bis zehn Tage nach der Infektion mit Symptomen wie Fieber, Husten, Muskelschmerzen und Kopfschmerzen, die möglicherweise zu schweren Lungeninfektionen führen. Pontiac-Fieber verursacht hingegen grippeähnliche Symptome, die normalerweise innerhalb weniger Tage verschwinden. Das Risiko, an Legionärerkrankung zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter, insbesondere bei Männern, Rauchern und Personen mit geschwächtem Immunsystem.
Nach Angaben von Patrick Edder, einem Chemiker aus dem Kanton Genf, hat sich die Situation seitdem verbessert. Während es 2018 und 2019 zahlreiche Inspektionen gab, führten nur sehr wenige Einrichtungen zu dieser Zeit Selbstkontrollverfahren durch. Bis 2023 hatten fast alle Einrichtungen Selbstkontrollsysteme etabliert, obwohl bestimmte Mängel bestehen bleiben.
Da der Fokus auf Legionellenprävention zunimmt, werden weitere Verbesserungen bei der Überwachung von Praktiken und der Infrastrukturwartung erwartet. Pflegeheimverwalter und Gesundheitsbeamte arbeiten zusammen, um Protokolle zu verfeinern, die Transparenz zu verbessern und letztendlich das Wohlbefinden älterer Bewohner zu schützen.
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