Bernhard Mager, Leiter des Wiener Kinder- und Jugendhilfeamtes (MA 11), hat erklärt, er werde das umstrittene Projekt "Auszeit-WG" trotz Kritik fortsetzen. Die Initiative, die jungen Intensivstraftätern unter 14 Jahren eine vorübergehende Wohnanlage bietet, hat scharfe Reaktionen von Experten und Fachleuten auf diesem Gebiet ausgelöst. Mager verteidigte das Programm während eines Interviews mit Wien heute am Dienstagabend und betonte, dass freiwillige Maßnahmen in der Vergangenheit keine Veränderung bewirkt haben. Mager erkannte die Kritik an dem Projekt an, argumentierte aber, dass der aktuelle Ansatz, freiwillige Unterstützung anzubieten, keine Ergebnisse gebracht hat.
Er zitierte seine früheren Erfahrungen in ähnlichen Rollen und erklärte, dass solche Methoden nicht zu sinnvollen Verbesserungen geführt hätten. Er betonte jedoch, dass das neue Modell, das in Wien getestet wird, einen neuartigen Ansatz darstellt. Nach Mager beinhaltet das Konzept, Kinder vorübergehend aus ihrer gewohnten Umgebung zu entfernen, um ihnen fokussierte Pflege und Anleitung zu bieten. Dieser Zeitraum würde es Fachleuten ermöglichen, die geeignete Form der Unterstützung zu bestimmen, die vor der Umsetzung benötigt wird. Die Idee ist, dass während dieser Zeit Pädagogen und Spezialisten für die Pflege der Kinder verantwortlich bleiben würden.
Das Projekt zielt darauf ab, die Bedürfnisse von Kindern, die wiederholt schwere Straftaten begangen haben, zu berücksichtigen und ihnen ein strukturiertes Umfeld für Reflexion und Rehabilitation zu bieten.
Ebenso kritisierte Julia Pollak, Exekutivdirektorin des österreichischen Vereins für Sozialarbeit (OBDS), den Plan als ein Flickenteppich verschiedener Konzepte, der es versäumt, Widersprüche zwischen Isolation und gesetzlichen Bildungsanforderungen in Einklang zu bringen.
Experten argumentieren, dass dem vorgeschlagenen Modell sowohl eine theoretische als auch eine praktische Grundlage fehlt. Sie bezweifeln, ob die Isolierung von Kindern in einer kontrollierten Umgebung wirklich die Ursachen ihres Verhaltens angeht oder das Problem lediglich anderswohin verschiebt. Einige schlagen vor, dass alternative Ansätze, die sich auf gemeinschaftsbasierte Interventionen und Familienunterstützung konzentrieren, bessere Ergebnisse erzielen könnten, ohne auf Institutionalisierung zurückzugreifen. Mager bleibt in seiner Unterstützung für das Projekt standhaft und glaubt, dass traditionelle Methoden nicht funktioniert haben und dass dieser neue Ansatz eine Chance bietet, etwas zu verändern.
Seine Haltung spiegelt eine breitere Debatte innerhalb Österreichs über den besten Umgang mit Jugendkriminalität wider, wobei die Notwendigkeit einer Intervention mit Bedenken hinsichtlich der Menschenrechte und der langfristigen Folgen für junge Straftäter ausgeglichen wird.
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