Tidal hat kürzlich eine neue Richtlinie veröffentlicht, die den Umgang mit vollständig künstell-intelligente (KI-)generierter Musik auf seiner Plattform regelt. Laut der Mitteilung von Tidal erzielen solche Titel keine Einnahmen mehr – weder durch Tantiemen noch durch direkte Verkäufe an Fans. Dennoch bleiben KI-generierte Werke auf der Plattform erlaubt, müssen jedoch mit einem sichtbaren KI-Symbol versehen werden. Dieses Symbol soll ab Mitte Juli eingeführt werden und später auch für Musik mit einem hohen Anteil an KI-Erstellung erweitert werden.
Die Entscheidung von Tidal wurde im Zusammenhang mit der zunehmenden Nutzung von KI zur Erstellung von Musik diskutiert. Das Unternehmen betont, dass es nicht die Verbreitung von KI-Musik verbieten werde, sondern vielmehr die Risiken minimieren und die Integrität der Plattform schützen wolle. Dabei setzt Tidal auf automatisierte Werkzeuge, um betrügerische Aktivitäten zu erkennen. So werden Titel, die Hörer täuschen, echte Künstler beeinträchtigen oder ungewöhnliche Streaming-Muster aufweisen, blockiert oder gelöscht. Auch die Imitation von Stimmen oder Namen bestehender Künstler wird gezielt bekämpft.
Tony Gervino, Executive Vice President und Chefredakteur von Tidal, begründete den Schritt in einer separaten Mitteilung. Er betonte, dass die Übernahme der Musikindustrie durch KI nicht unvermeidlich sei, wenn man jetzt entschiedener handele, um die Plattform zu überwachen und zu kontrollieren. Diese Haltung spiegelt sich in der neuen Richtlinie wider, die sowohl die Transparenz als auch die Sicherheit der Nutzer stärker in den Fokus rückt.
Die Ausmaße der Nutzung von KI-Musik wurden durch Daten von Deezer verdeutlicht. Demnach erreichen täglich knapp 75.000 KI-generierte Tracks den französischen Dienst, was etwa 44 Prozent aller neu hochgeladenen Musik entspricht. Allerdings sind nur 1 bis 3 Prozent der Streams auf KI-Musik zurückzuführen, da Deezer Titel aus seinen Empfehlungen ausschließt. Rund 85 Prozent dieser KI-Streams werden als betrügerisch erkannt und demonetarisieren. Deezer bietet außerdem ein kostenloses Tool an, mit dem Playlists auf KI-generierte Musik geprüft werden können.
Andere Plattformen wie Spotify und Bandcamp haben ebenfalls Maßnahmen ergriffen. Spotify gibt zwar keine konkreten Upload-Zahlen bekannt, hat aber einen Spam-Filter eingeführt und kennzeichnet die Authentizität von Künstlern. Im vergangenem September berichtete Spotify, 75 Millionen Spam-Tracks entfernt zu haben. Bandcamp untersagte KI-Musik im Januar komplett, während Apple Music im März Transparenz-Tags einführend, um KI-generierte Inhalte besser identifizierbar zu machen.
Diese unterschiedlichen Ansätze unterstreichen die Komplexität der Situation. Während einige Plattformen KI-Musik vollständig verbieten, setzen andere auf transparente Kennzeichnung und automatisierte Kontrolle. Tidal positioniert sich nun zwischen diesen beiden Extremen, indem es KI-Musik erlaubt, gleichzeitig aber ihre monetäre Auswirkung begrenzt und betrügerische Aktivitäten bekämpft. Die Zukunft der KI-Musik auf Streamingplattformen wird daher stark vom Zusammenspiel von Technologie, Regulierung und Nutzererwartungen abhängen.
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