Steffen Seibert, der deutsche Botschafter in Israel, hat am Dienstag, den 29. Juni 2026, seinen letzten Arbeitstag absolviert und anschließend in den Ruhestand gegangen. In einem Video, das er auf der Plattform X veröffentlichte, sprach Seibert flüssig Hebräisch und verabschiedete sich emotional von seinem Posten. Er betonte, dass ein großer Teil seines Herzens in Israel bleiben würde, während er gleichzeitig 25 Gründe nannte, warum er das Land vermissen werde. Die Liste umfasste kulturelle Aspekte wie israelische Lieder und Spezialitäten sowie natürliche und historische Merkmale wie den Wiedehopf, Israels Nationalvogel, und den israelischen Fernwanderweg, den er während seiner Amtszeit auf verschiedenen Etappen erwandert hatte.
Seiberts Amtszeit als Botschafter fiel in eine besonders herausfordernde Phase für Israel. Während seiner vierjährigen Zeit im Amt standen sowohl innenpolitische Spannungen als auch internationale Konflikte im Vordergrund. Ein Höhepunkt war die Debatte um die Justizreform, bei der Israel offiziell protestierte, dass Seibert als Zuschauer an einer Verhandlung des Obersten Gerichts teilnahm. Zudem sorgte ein X-Beitrag Seiberts im März 2026 für Aufmerksamkeit, in dem er Siedlergewalt kritisierte. Das israelische Außenministerium warf ihm damals mangelnde Empathie gegenüber Israel vor, doch das deutsche Auswärtige Amt stellte sich klar hinter Seibert.
Nach dem Terroranschlag der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 setzte sich Seibert intensiv für die Freilassung der verschleppten Geiseln ein, darunter auch deutsche Bürger. Gleichzeitig drückte er seine Besorgnis über das Leiden der palästininensischen Zivilbevölkerung im Gazakrieg aus, in dem Tausende Menschen ihr Leben verloren. Seine Position war dadurch geprägt, dass er sowohl die Sicherheitsbedenken Israels als auch die humanitäre Situation der Palästinenser berücksichtigte. Sein Nachfolger ist bereits benannt, doch Details dazu wurden nicht weiter genannt.
Seibert, der 66 Jahre alt ist, war vor seiner Berufung als Botschafter in Israel mehr als elf Jahre Regierungssprecher unter Bundeskanzlerin Angela Merkel. Er begann seine Karriere als Fernsehjournalist beim ZDF und machte sich dort einen Namen. In einem Interview mit dem SPIEGEL gab er bekannt, dass er nach seinem Ausscheiden aus dem diplomatischen Dienst ein Buch schreiben wolle. Sein Abschiedsvideo zeigte nicht nur seine Dankbarkeit gegenüber Israel, sondern auch seine Verbundenheit mit dem Land, das er in vielfältiger Weise erlebt und unterstützt hatte.
In dem Video erwähnte Seibert auch das israelisch-palästinensische Forum, das sich aus Menschen zusammensetzt, die im Nahostkonflikt Angehörige verloren haben. Dieses Forum spielt eine wichtige Rolle in der Versöhnungsarbeit zwischen Israelis und Palästinensern. Seibert hob außerdem israelische Freiwillige hervor, die sich bemühen, Palästinenser im besetzten Westjordanland vor Gewalt durch Siedler zu schützen. Seine Amtszeit war daher nicht nur von politischen Themen geprägt, sondern auch von persönlichen Beziehungen und Engagement für soziale Fragestellungen.
Die Reaktionen auf Seiberts Abschied sind noch nicht vollständig dokumentiert, aber es ist wahrscheinlich, dass sowohl in Deutschland als auch in Israel unterschiedliche Meinungen zu seiner Arbeit bestehen. Während einige seine klare Haltung und diplomatische Fähigkeiten loben dürften, könnten andere seine Kritik an bestimmten Aspekten der israelischen Politik kontrovers diskutieren. Sein Nachfolger wird nun die Herausforderungen übernehmen, die mit der aktuellen politischen Lage in Israel verbunden sind. Es bleibt abzuwarten, ob die neue Botschaft eine ähnliche Balance zwischen Diplomatie und kritischer Haltung bewahren kann, wie sie Seibert während seiner Amtszeit erreichte.
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