Die griechischen Behörden haben die lange ruhende Untersuchung des Brandanschlags von 2010 an einer Marfin-Egnatia-Bankfiliale in Athen, bei dem drei Personen getötet wurden, die im Gebäude gefangen waren, wieder aufgenommen.
Die Ermittler suchten nach zuvor unverarbeiteten Fotografien aus der Zeit des Angriffs, was einen leitenden Offizier veranlasste, nach Zypern und Großbritannien zu reisen, um Fotografen zu finden. Trotz dieser Bemühungen ergaben sich aus dieser Anfangsphase keine neuen Hinweise. Stattdessen verlagerte sich der Fokus auf die Überprüfung älterer Fallakten, die mit Personen in Verbindung standen, die mit anarchistischen und anti-autoritätsorientierten Gruppen verbunden waren. Unter den überprüften Materialien befand sich eine Terrorismusbekämpfungsuntersuchung von 2020, die auf eine Lagerstätte in Koukaki abzielte, die verdächtigt wurde, Sprengstoffe zu halten. Dies führte die Ermittler dazu, Fotografien aus dem Sommer 2009, möglicherweise während eines Urlaubs in Ikaria, zu untersuchen.
Ein Bild zeigte einen großen Mann mit einem schwarzen Rucksack, der mit dem roten Emblem der Punkband Dead Kennedys geschmückt war. Dieses Detail erwies sich als entscheidend, da ähnliche Rucksacks später in Aufnahmen vom Tag des Angriffs entdeckt wurden. Forensische Experten wurden beauftragt, Personen in beiden Fotosets mit Hilfe von Polizeidatenbanken zu identifizieren. Sie verglichen die Urlaubssnapshots mit Bildern, die am 5. Mai 2010 kurz vor dem Angriff aufgenommen wurden. Die Analyse ergab sechs Fotografien, die 12 Kapuzenfiguren in der Nähe der Stadiou Street aufnahmen. Obwohl keine der Personen aufgrund verdeckter Gesichter eindeutig identifiziert werden konnte, wurden ihnen Nummern als Referenz zugewiesen.
Auf der Grundlage von Zeugenaussagen stellte die Polizei fest, dass fünf dieser Personen an dem Angriff beteiligt waren. Wichtige Beweise enthielten körperliche Merkmale wie Körpertyp, Kopfbekleidung, Brillen, Schuhe und Rucksackdesigns. Die Ermittler hoben das Vorhandensein eines roten Emblems und leichter kreisförmiger Markierungen auf einem Rucksackgurt hervor, zusammen mit Ähnlichkeiten in Größe, Farbe, Taschenlayout und einem orangefarbenen Reißverschluss auf einem anderen. Diese Merkmale wurden verwendet, um die Personen auf den Urlaubsfotos mit denen zu verknüpfen, die während des Angriffs anwesend waren. Trotz dieser Erkenntnisse haben Verteidiger die Zuverlässigkeit der Identifikationen in Frage gestellt.
Thanasis Kampagiannis, der einen der Angeklagten vertritt, erklärte, dass die forensische Analyse eine Identifikation als "moderat" beschrieb und keine schlüssige Übereinstimmung mit dem zweiten Verdächtigen fand. In Bezug auf die dritte Person, eine 46-jährige Frau, wies er darauf hin, dass ein Bericht von 2022 ihre Identifizierung aus den Fotografien bereits als unmöglich ausgeschlossen hatte. Das erneute Interesse am Fall hat Diskussionen über ungelöste Fragen rund um den Angriff neu entfacht. Die Behörden analysieren weiterhin zusätzliche Beweise, einschließlich möglicher Verbindungen zwischen den Verdächtigen und bekannten extremistischen Netzwerken.
Währenddessen warten die Angehörigen der Opfer auf weitere Entwicklungen und hoffen auf eine Schließung nach mehr als einem Jahrzehnt der Unsicherheit. Die Wiederaufnahme der Untersuchung unterstreicht die Komplexität der Identifizierung von Personen allein durch Indizien. Während forensische Fortschritte eine tiefere Untersuchung vergangener Materialien ermöglicht haben, bleiben rechtliche Herausforderungen hinsichtlich der Zulässigkeit und Genauigkeit solcher Identifikationen bestehen.
Jeder neue Beweis könnte das Ergebnis des Prozesses beeinflussen und möglicherweise zu Anklagen gegen die Verdächtigen führen.
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