Nach Angaben des Ministers für Nationale Sicherheit Itamar Ben-Gvir haben die israelischen Behörden jüdischen Männern erlaubt, zum ersten Mal seit der Einführung der religiösen Einschränkungen vor Jahrzehnten Gebetsbücher auf den Tempelberg zu bringen. Diese Änderung erfolgte nach einem Foto, das online gepostet wurde und jüdische Gläubige zeigt, wie sie auf dem Tempelberg aus Siddurim, traditionellen Gebetsbüchern, lesen, die als der heiligste Ort des Judentums gelten. Er erläuterte nicht weiter, obwohl er betonte, dass die Änderung keine dauerhafte Aufhebung der Einschränkungen darstellt.
Der rechtsextreme Journalist Arnon Segal, der das Bild veröffentlichte, beschrieb die Entwicklung als eine historische Verschiebung des langjährigen Status Quo, der den Zugang zur Stätte regelt. Der Tempelberg ist seit Jahren ein Flammpunkt für Spannungen zwischen jüdischen und muslimischen Gemeinden. Unter der derzeitigen Regelung dürfen jüdische und christliche Besucher auf der Stätte spazieren gehen, sind aber normalerweise davon abgehalten, dort zu beten. Muslimen ist es jedoch frei, an der Stätte zu beten, zu der auch die Al-Aqsa-Moschee gehört, einer der heiligsten Orte des Islam. Das heikle Gleichgewicht des religiösen Zugangs war oft ein Streitpunkt, insbesondere angesichts der zunehmenden politischen und religiösen Leidenschaft in der Region.
In den letzten Wochen gab es schrittweise Veränderungen in der Behandlung jüdischer Gebete an der Stätte. Im Januar kündigte die israelische Polizei eine Lockerung bestimmter Regeln an, die es jüdischen Besuchern erlaubt, eine einzelne gedruckte Seite mit im Voraus vorbereiteten Gebeten mitzunehmen.
Das Bild wurde schnell unter rechten israelischen Gruppen viral und löste eine sofortige Debatte in religiösen und politischen Kreisen aus. Die Entscheidung kommt inmitten erhöhter regionaler Spannungen. Am 5. August trafen sich arabische und muslimische Beamte in Amman, Jordanien, um das zu kritisieren, was sie als "Eskalation" israelischer Aktivitäten in Jerusalem bezeichneten.
Die israelische Polizei hat die neue Politik noch nicht offiziell kommentiert, obwohl sie von der Jerusalem Post kontaktiert wurde. Interne Quellen deuten jedoch darauf hin, dass die Polizei die Situation genau beobachtet, da sie sich des Konfliktpotenzials bewusst ist, sollte es zu Spannungen kommen.
Religiöse Führer aus jüdischen und muslimischen Gemeinden haben gemischte Reaktionen geäußert. Einige jüdische Fraktionen begrüßten den Schritt als eine längst überfällige Anerkennung der jüdischen Souveränität über den Ort, während andere davor warnten, ohne einen breiteren Konsens voranzuschreiten. Muslimische Geistliche haben inzwischen ihre Opposition gegen jeden Versuch, den Status quo zu ändern, bekräftigt und gewarnt, dass solche Aktionen zu Gewalt führen könnten.
Im Zuge der Entwicklung der Situation werden alle Augen darauf gerichtet sein, ob die neue Politik zu weiteren Veränderungen führt oder ob sie sich als kurze Abweichung vom bestehenden Rahmen erweist.
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