Suraya Dadoo, eine prominente Aktivistin und Wissenschaftlerin, hat eine Anthologie mit dem Titel Rising for Palestine: Africans in Solidarity for Decolonisation and Liberation zusammengestellt, die das verblassende Erbe des afrikanischen Internationalismus im Kontext des gegenwärtigen Konflikts in Gaza untersucht. Laut Dadoo hat der Krieg in Gaza nicht nur die globale Solidarität mit Palästina neu entfacht, sondern auch einen tieferen Verlust einer einst mächtigen Tradition pan-afrikanischer Solidarität aufgedeckt. Diese Tradition, die in der Ära der Dekolonialisierung verwurzelt ist, verband afrikanische Befreiungsbewegungen mit Kämpfen in Palästina, Namibia, Algerien und anderen Regionen.
In den letzten drei Jahrzehnten hat sich dieses Netzwerk geschwächt und wirtschaftlichen Bindungen, Sicherheitsbündnissen und pragmatischer Diplomatie Platz gemacht. Die Anthologie, die von Dadoo und dem algerischen Forscher Raouf Farrah gemeinsam herausgegeben wurde, bringt Gelehrte, Aktivisten, Diplomaten und Bewegungsführer aus ganz Afrika und Palästina zusammen.
Die Arbeit fordert die vorherrschende Erzählung heraus, die den palästinensischen Kampf in erster Linie durch die Linse der südafrikanischen Anti-Apartheid-Bewegung darstellt und stattdessen versucht, Afrika selbst in die Diskussion zu rücken. Die Anthologie hebt Beiträge aus Ländern wie Kenia, Ghana, Senegal, Namibia, Tunesien und Nigeria neben palästinensischen Stimmen hervor. Diese Berichte zielen darauf ab, eine historische Tradition der Solidarität zu dokumentieren, die über Südafrika hinausgeht und Afrika im Mittelpunkt der Erzählung statt an seiner Peripherie positioniert.
Die Mitarbeiter ziehen Parallelen zwischen der palästinensischen Erfahrung und einigen der tiefsten Wunden Afrikas, einschließlich des Völkermords an den Herero und Nama in Namibia, der ungelösten Frage der Westsahara, der jahrzehntelangen Gewalt in der Demokratischen Republik Kongo und der anhaltenden Krise im Sudan.
Sie argumentiert, dass die Betrachtung Palästinas durch eine afrikanische Linse nicht die Aneignung des Leidens bedeutet, sondern die Klärung seiner geopolitischen Koordinaten. Diese Perspektive bildet die zentrale These des Buches.
Sie stellt fest, dass die neoliberale Wende der 1990er Jahre, der globale Rückzug von der radikalen Politik und die Oslo-Abkommen, die alle zur Gründung der Palästinensischen Autonomiebehörde beigetragen haben, die afrikanische Außenpolitik in Richtung der Priorisierung des bilateralen Handels, der Sicherheitsallianzen und der Entwicklungshilfe gegenüber der internationalen Solidarität verlagert haben.
Wie die Anthologie deutlich macht, besteht die Herausforderung vor uns nicht nur darin, eine vergessene Tradition wiederzubeleben, sondern auch eine Zukunft neu zu gestalten, in der der afrikanische Internationalismus wieder eine bedeutende Rolle in globalen Gerechtigkeitsbewegungen spielen kann.
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