Ein wachsender Trend in Deutschland hat dazu geführt, dass rechtsextreme Extremisten verschlüsselte Sprache und alternative Symbole verwenden, um Gesetze zu umgehen, die offen Nazi-Imagerie verbieten. Diese Taktiken haben es Neonazi-Gruppen und Einzelpersonen ermöglicht, von dem Verkauf von Waren zu profitieren, die subtil auf extremistische Ideologien verweisen. Als Reaktion darauf ist eine einzigartige Strategie entstanden: die Nutzung von Rechten an geistigem Eigentum, um den Verkauf solcher Artikel zu stören. Die Kampagne, die als "Recht Gegen Rechts" bekannt ist, begann im Jahr 2021, initiiert von der deutschen Kreativagentur Jung von Matt zusammen mit der in Hamburg ansässigen gemeinnützigen Organisation Gegen Laut Nazis.
Das Ziel war es, Marken zu registrieren, die mit rechtsextremen Symbolen, kodierten Phrasen und den Namen extremistischer Unternehmen in Verbindung stehen. Damit wollten sie rechtliche Barrieren schaffen, die Online-Händler dazu zwingen würden, diese Begriffe und Symbole ohne Genehmigung nicht mehr zu verwenden. Diese Initiative hat sich als bemerkenswert effektiv erwiesen. Sobald bestimmte Marken registriert waren, entfernten Online-Shops, die zuvor Artikel mit diesen Symbolen oder Phrasen verkauften, diese schnell aus ihrem Inventar. Laut Simon Knittel von Matt von Jung, der bei der Einführung der Kampagne eine Rolle spielte, war die Wirkung sofort.
Innerhalb von 30 Minuten nach der Ankündigung der Registrierung einer Marke entfernten alle relevanten Online-Shops freiwillig den verletzenden Inhalt. Es gab keine Notwendigkeit für eine rechtliche Konfrontation, da die Bedrohung durch einen möglichen Rechtsstreit ausreichte, um die Einhaltung zu fordern. Der Erfolg der Kampagne liegt in der strategischen Auswahl der Marken. Das Team identifizierte über 35 Online-Shops, die jeweils mehr als 1.000 Produkte anbieten. Durch sorgfältige Analyse wählten sie die wirkungsvollsten Begriffe und Symbole für die Registrierung. Philip Schlaffer, ein ehemaliger Neonazi, der Aktivist wurde, betonte, wie dieser Ansatz das Sicherheitsgefühl untergrägt, auf das sich extremistische Gruppen verlassen.
Er stellte fest, dass die Idee hinter der Kampagne darin bestand, Neonazis bewusst zu machen, dass ihre ideologischen Äußerungen rechtlich angefochten werden könnten, was möglicherweise zur Entfernung ihrer Produkte vom Markt führen könnte. Die Wirksamkeit dieser Methode wurde offensichtlich, als nachfolgende Marken registriert wurden. Jedes Mal war die Reaktion von Online-Einzelhändlern schnell. Wie Knittel darauf hinwies, sank die Zeit zwischen der Markenregistrierung und der Produktentfernung signifikant - von anfänglich 30 Minuten auf nur 10 Minuten später. Dies zeigte die Fähigkeit der Kampagne, den Verkauf von rechtsextremen Waren konsequent zu stören.
Die strenge Haltung Deutschlands zu Nazi-Symbolen ist in der historischen Erfahrung mit dem Nationalsozialismus verwurzelt. Gemäß § 86a des deutschen Strafgesetzbuches ist die Anzeige oder Verbreitung von Symbolen, die mit verfassungswidrigen Organisationen verbunden sind, generell verboten. Dies schließt das Hakenkreuz, die SS-Insignien und den Nazi-Gruß ein, obwohl Ausnahmen für pädagogische Zwecke, Forschung und historische Dokumentation bestehen.
Joern Menge, Gründer von Laut Gegen Nazis, und Philip Schlaffer, der einst einen neonazistischen Online-Shop betrieb, bevor er ein Anti-Extremisten-Befürworter wurde, leisteten wertvolle Expertise. Schlaffer hob hervor, dass viele dieser Geschäfte international tätig sind, was die Durchsetzung komplexer macht, aber auch die globale Natur des Problems unterstreicht. Während die Kampagne weitergeht, konzentriert sie sich weiterhin auf die Identifizierung neuer Symbole und Phrasen, die von extremistischen Gruppen verwendet werden. Das Team überwacht regelmäßig Online-Plattformen, um aufkommende Trends in der Codierungssprache und alternativen Symbolen zu erkennen.
Dieser proaktive Ansatz stellt sicher, dass der rechtliche Schutz gegen die sich entwickelnden Strategien rechtsextremer Akteure auf dem neuesten Stand bleibt und wirksam ist. Mit Blick auf die Zukunft zielt die Kampagne darauf ab, ihre Reichweite über Deutschland hinaus zu erweitern. Während der aktuelle Fokus auf inländischen Operationen liegt, wird anerkannt, dass ähnliche Taktiken an anderer Stelle angewendet werden könnten, um die Verbreitung extremistischer Inhalte weltweit zu bekämpfen. Der Erfolg von "Recht gegen Recht" bietet eine neuartige, aber praktische Lösung für ein anhaltendes Problem und zeigt, wie rechtliche Mechanismen genutzt werden können, um dem Einfluss rechtsextremer Ideologien im digitalen Zeitalter entgegenzuwirken.
★
Halte die Nachrichten ehrlich.
ObjectiveNews ist leserfinanziert und werbefrei – wir zeigen dir den Bias, statt ihn zu verstecken. Unterstütze unabhängigen Journalismus für 5 €/Monat.
Unterstützer werden