Kerry Türk, eine Kenianerin, hat einen bemerkenswerten Lebensweg hinter sich. Geboren in Molo, einer Stadt im westlichen Teil Kenias, wuchs sie in einer Familie mit sechs Geschwistern auf. Während der Kolonialzeit war die Region für ihre englischen Farmen bekannt. Ihr Weg begann in der Schule, wo sie frühzeitig bemerkte, dass die Bildung für Mädchen nicht so viel Wert gelegt wurde wie für Jungen. In den höheren Klassen wurden Jungen und Mädchen getrennt unterrichtet, was sie als ungerecht empfand. Dennoch zeigte sie ehrgeizige Leistungen und suchte aktiv den Kontakt zu ihren männlichen Kommilitonen, um in Fächern wie Physik, Chemie, Biologie und Mathematik mitzuarbeiten.
Ihr Engagement und ihre Leistungsfähigkeit führten dazu, dass sie die erste Schülerin an der Molo Secondary School 220 wurde, die eine Zulassung zur Universität erhielt. Dies geschah im Jahr 2004, und ihre Erfolge wurden sogar in der lokalen Presse erwähnt. Heute gilt sie als Vorbild für viele junge Mädchen in Kenia, da sie zeigt, dass es möglich ist, trotz der bestehenden Ungleichheiten erfolgreich zu sein.
Nach ihrem Studium begann sie in Nairobi, der Hauptstadt Kenias, mit einem Ökonomistudium. Während ihres Studiums sorgte sie sich um ihre finanzielle Sicherheit und nahm Gelegenheitsjobs an. Auf dem Campus lebte sie und betrieb nebenbei einen kleinen Kiosk. Diese Erfahrungen halfen ihr, sich unabhängig zu machen, obwohl sie nicht geplant hatte, sich selbstständig zu werden. Nach ihrem Abschluss wollte sie in einer Bank arbeiten, wurde aber stattdessen Ghostwriterin für andere Studenten, die sich gegen Bezahlung bei Haus- und Abschlussarbeiten unterstützen ließen.
Dieser Beruf brachte jedoch Herausforderungen mit sich, wie etwa eine Situation, in der sie für einen Architekturstudenten eine Arbeit über den gotischen Baustil schreiben sollte. Da sie damals nicht genug darüber wusste, musste sie das Honorar zurückzahlen.
Ihr Interesse an ökonomischen Theorien führte schließlich zu Deutschland, wo sie sich in Schwerin niederließ. Ursprünglich hatte sie sich für ein Studium in Japan entschieden, wo sie Japanisch lernte und Bewerbungen an Universitäten in Nagasaki und Hiroshima einreichte. Doch schließlich führten die Theorien von Keynes und Marx sie nach Schwerin. Dort lebt sie heute mit ihrem Sohn Anselm in einer Dreiraumwohnung, die sie nach ihrer Trennung von ihrem Mann als Bleibe akzeptierte, doch nun genießt sie das Leben dort.
Ihr aktuelles Zuhause liegt in einem Gebäude der Wohnungsbauserie WBS 70, das in der DDR-Zeit errichtet wurde. Obwohl diese Art von Wohnraum historisch bedingt ist, hat sie sich daran gewöhnt und findet sogar Freude darin. Auf ihrem Balkon steht eine Vielzahl von Pflanzen, die sie pflegt. Die Wohnung ist voller Erinnerungen an Kenia, mit Kindernbildern an den Wänden und einem großen Fernsehbildschirm.
In Schwerin hat sie sich durch die Eröffnung eines Friseursalons einen neuen Lebensraum geschaffen. Dieser Schritt markiert einen weiteren Meilenstein in ihrem Leben, denn sie folgt ihrem Traum, sich selbstständig zu machen, und unterstützt damit gleichzeitig andere Menschen. Ihr Ziel ist es, ihre Erfahrungen und ihre Motivation weiterzugeben, besonders an jene, die noch auf dem Weg sind, ihre eigenen Träume zu verwirklichen.
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